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Rekonstruktion von"Ötzis" Gesicht

Ötzi soll seine Stimme zurückbekommen

Die Gletschermumie Ötzi erzählt uns viele Geschichten: wie der "Mann aus dem Eis" in der späten Jungsteinzeit lebte, welche Krankheiten er hatte und wie starb. Möglicherweise erfahren wir auch bald, wie seine Stimme klang.

Rekonstruktion 23.02.2016

Im Südtiroler Archäologiemuseum arbeiten Wissenschaftler an der Rekonstruktion von Ötzis Stimme: Mit Hilfe dreidimensionaler Röntgenbilder untersuchen sie derzeit den Raum zwischen Mund und Stimmlippen. Danach wollen sie den Klang der Vokale mit einer Computersoftware der Universität Padua nachahmen.

Die "ganze Stimme" (inklusive Konsonanten) wiederherzustellen wird leider nicht möglich sein, betont Francesco Avanzini vom Ambulatorium für Phoniatrie in Bozen:

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet heute auch "Wissen aktuell", 23.2.2016, 13.55 Uhr.

"Ötzis Oberarm liegt quer über seinem Hals, dadurch ist der Knochen oberhalb des Kehlkopfes beschädigt, der für die Rekonstruktion der 'richtigen Stimme' notwendig wäre. Außerdem würden wir für eine vollständige Sprache zum Beispiel die Lippen und den Unterkiefer in Bewegung brauchen. Deswegen können wir den Klang nur grob rekonstruieren."

Letzten Worte als MP3-Datei

Und was wird der 5.250 Jahre alte "Mann aus dem Eis" sagen, wenn er seine Stimme wieder hat? Das Forscherteam denkt da an seine möglichen letzten Worte.

"Vielleicht wird er schreien. Zum Beispiel könnte er ein 'Aaaaah' von sich geben, um nachzuahmen wie er gefallen ist. Möglicherweise sagt er aber auch einfach 'Lass mich in Ruhe!'", scherzt Avanzini - und freut sich, wenn Ötzis Stimme in ein paar Monaten wieder zum Leben erwacht.

Geplant ist, dass man mittels Knopfdruck eine MP3-Datei starten kann und daraufhin Ötzis Stimme ertönt. Weltweit ist das der erste Versuch, eine Mumie wieder zum Sprechen zu bringen. Wann genau Ötzi mit authentischem Klang im Südtiroler Archäologiemuseum zu Wort kommen wird, steht noch nicht fest.

Geraldine Zenz, Ö1-Wissenschaft

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