Standort: science.ORF.at / Meldung: "Bürger sollen bei Archäologie mitmachen"

Archäologen bei der Arbeit

Bürger sollen bei Archäologie mitmachen

"Archaeo Publica" will die Bürgerbeteiligung in Archäologie und Denkmalpflege in Österreich fördern. "Wir wollen eine Brücke zwischen Wissenschaft und interessierten Laien schlagen", so Gerald Grabherr vom Institut für Archäologie der Uni Innsbruck. Er stellt den Verein am "Österreichischen Archäologentag" vor.

Verein 26.02.2016

In einer vor zwei Jahren vom Bundesdenkmalamt präsentierten Studie bezeichneten 85 Prozent der Österreicher Archäologie für "wichtig" oder "sehr wichtig", zwei Drittel bekundeten Interesse, bei archäologischen Forschungen mitzumachen.

Diesem Interesse folgend gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen zur Einbindung von Laien, etwa Kurse, Beteiligung an Grabungen, Vorarbeiten zur Restauration oder sogar kostenpflichtige Archäologiewochen als Urlaubsangebot.

Allerdings gebe es "Ressentiments auf beiden Seiten", betont Grabherr. Viele Archäologen hätten Vorbehalte gegenüber Laienforschern. Hier haben wohl illegale Schatzsucher für viel Ärger gesorgt, die etwa mit Hilfe von Metallsuchgeräten nicht nur Funde entwenden, sondern auch Fundsituationen zerstören. Aber auch Laien wie Heimatforscher würden sich trotz ihres Fachwissens von der Fachwelt nicht entsprechend anerkannt sehen.

Mehr Augen und Ohren

"Wir versuchen hier zu vermitteln, weil wir das Potenzial sehen", so Grabherr. Der Geschäftsführer des Vereins, Joris Coolen, sieht in Laien "wichtige Partner, weil es einfach zu wenige Archäologen gibt und man mit Laien mehr Augen und Ohren hat".

Grabherr verweist auch auf die Konvention von Faro über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft, die Österreich im Vorjahr ratifiziert habe und in der die Beschäftigung mit dem historisch-archäologischen Erbe als Grundrecht beschrieben werde. Dazu müsse man auch die Möglichkeit bieten. Pilotprojekte sollen beiden Seiten zeigen, dass die Zusammenarbeit funktionieren kann.

Auf der Homepage des Vereins, die laut Coolen in etwa zwei Wochen online geht, soll u.a. eine Hobby-Jobbörse angeboten werden. Es gebe auch die Idee einer Aktion "Adopt a monument", wo sich Laien in ihrer Region eines Bodendenkmals annehmen, es pflegen und für Zugänglichkeit sorgen.

Noch problematisch sei die Finanzierung des Vereins, der derzeit mit einer Anschubfinanzierung des Bundesdenkmalamts arbeitet und künftig versuchen will, über verschiedene Citizen-Science-Töpfe und die Kulturabteilungen der Länder Geld zu lukrieren. Für Einzelmitglieder sei die Mitgliedschaft gratis. Getragen wird der Verein von Einzelpersonen. Im Vorstand sind gleichermaßen institutionell verankerte Archäologen und Laien vertreten.

science.ORF.at/APA

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