Standort: science.ORF.at / Meldung: "Strategisch das Erbgut verbreiten"

Spermien unter dem Mikroskop.

Strategisch das Erbgut verbreiten

Ob als Casanova oder Großfamilien-Oberhaupt, männliche Tiere können ihr Erbgut mit unterschiedlichen Strategien verbreiten. Diese Strategien werden einer Studie zufolge entweder fix ins Erbgut eingeschrieben oder umweltbedingt flexibel gewählt.

Fortpflanzung 26.02.2016

Bei Buntbarschen gibt es zum Beispiel Zwergmännchen mit einer "parasitischen" Taktik, die sich in die wohlgehüteten Reviere großgewachsener Artgenossen schleichen, und deren "spießbürgerliche" Vermehrungstaktik unterwandern, indem sie unbemerkt ihre Weibchen befruchten, so die Forscher. "Wir konnten die Entstehung von solchen entweder genetisch oder umweltbedingten, alternativen Verhaltensstrategien aufzeigen", erklärt der Österreicher Michael Taborsky.

Die Studie in "Proceedings of the Royal Society B":

"The evolution of genetic and conditional alternative reproductive tactics" von Leif Engqvist und Michael Taborsky, erschienen am 24. Februar 2016.

Laut den Modellberechnungen von Taborsky und Leif Engquist vom Institut für Ökologie und Evolution der Uni Bern werden "alternative Reproduktions-Taktiken (ARTs)" umso eher im Erbgut einer Art verankert, umso mehr Vorteile ein großer Körper beim Verteidigen des Reviers bringt, und wenn die Anpirschfähigkeit mit der Körpergröße stark nachlässt.

Theoretisch drei Männchentypen

Verringert schnelles Wachstum bei einer Art die Lebenserwartung stark, begünstigt dies ebenfalls, dass alternative Reproduktionstaktiken dort genetisch festgelegt werden, erklärte Engquist. Auch die Spermienqualität der unterschiedlichen Formen spielt eine Rolle. Haben die Revier-besetzenden Männchen bessere Samen, können andere Taktiken kaum erfolgreich sein, während ein kleiner Vorteil der Casanova-Spermien Unterschiede fördert.

Umweltbedingt flexibel gewählte alternative Reproduktionstaktiken werden hingegen durch eine starke Selektion nach der Körpergröße unwahrscheinlicher, betonte der Forscher. Begünstigt sind diese wiederum, wenn man nicht winzig sein muss, um sich gut anschleichen zu können.

"Ich denke, der wichtigste Punkt unserer Studie ist aber, dass die Bedingungen, die fördern, ob ARTs genetisch fixiert werden oder umweltbedingt flexibel sind, sich grundsätzlich unterscheiden", meinte Engquist. Seine Computermodelle spuckten sogar noch ein weiteres Szenarium aus, in dem drei Männchentypen mit unterschiedlichen Fortpflanzungstaktiken um die Gunst der Weibchen wetteiferten: Und zwar gab es dort ein dominantes Männchen, und je ein genetisch sowie umweltbedingt bedingt parasitisch begattendes.

science.ORF.at/APA

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