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Porträtfoto des Schauspielers Richard Gere mit weiß-grauen Haaren

Gen entdeckt, das graue Haare macht

Warum wir im Alter graue Haare bekommen, hat viele Ursachen: Lebensumstände, Krankheiten, aber auch das Erbgut. Ein Forscherteam untersuchte nun mehr als 6.000 Menschen in Südamerika und entdeckte dabei das erste Gen, das eindeutig mit dem Grauwerden zu tun hat.

Biologie 01.03.2016

"Wir haben schon einige Abschnitte im Erbgut gekannt, die mit Glatzenbildung und Haarfarbe zusammenhängen", sagt Kaustubh Adhikari, Biologe am University College London und Erstautor einer soeben erschienenen Studie. "Aber das ist das erste Mal, dass wir ein menschliches Gen für graue Haare gefunden haben."

"Wenn wir den Mechanismus noch besser verstehen, könnten wir neue Wege entwickeln, das Ergrauen aufzuhalten", ergänzt sein Kollege Andres Ruiz-Linares in einer Aussendung.

Die Studie

"A genome-wide association scan in admixed Latin-Americans identifies loci influencing facial and scalp hair features" von Kaustubh Adhikari und Kollegen ist am 1. März 2016 in der Fachzeitschrift "Nature Communications " erschienen.

Graue Haare im Trend

Haare und Bärte liegen generell voll im Trend: von religiösen Fundamentalisten bis zu Großstadt-Hipstern. Und selbst graue Haare haben in den vergangenen Jahren einen erstaunlichen Modegipfel erreicht.

Abgesehen von diesen konjunkturbedingten Erscheinungen läuft die langfristige Tendenz aber in die Gegenrichtung: Der moderne Mensch hat im Vergleich zu seinen Vorfahren den größten Teil seiner Körperbehaarung verloren. Ein Grund, so vermuten Biologen, könnte der aufrechte Gang sein. Vor einigen Millionen Jahren bei Frühmenschen in Afrika entstanden, ermöglichte er eine bessere Wärmeregulierung des Körpers, und die Haare fielen peu à peu aus.

Geblieben ist uns dieser alte Körperschutz in erster Linie auf dem Kopf: am Schädel, über den Augen, bei Männern auch an Kiefer, Hals und Wangen. Welche Menge davon und welches Aussehen, ist geografisch variabel: Unterschiedliche Haarfarben sind etwa nur im westlichen Teil Eurasiens verbreitet, in Afrika südlich der Sahara gibt es fast keine glatten Haare. Die unterschiedliche Umgebung hat Spuren hinterlassen, und diese kann man auch im Erbgut ablesen.

Mehrere wichtige Haargene entdeckt

Die meisten DNA-Analysen zu dem Thema wurden bisher an Menschen durchgeführt, die aus Europa oder Ostasien abstammen. Bei der aktuellen Studie war das anders: Das Team um Adhikari untersuchte Proben von 6.630 Menschen in Südamerika mit entsprechend vielfältigem ethnischem Hintergrund.

Die Analysen weisen auf zehn neue Genabschnitte hin, die für Haarbildung und -aussehen relevant sind. Und auf einen "guten alten Bekannten": das Gen IRF4, das laut früheren Studien eine wichtige Rolle für die Haarfarbe spielt. Das Gen trägt zur Speicherung und Herstellung von Melaninen bei: jenen Pigmenten, die neben Haaren auch Augen und Haut ihre Farbe geben. Zu wenig Melanin gilt als Hauptursache für graues Haar.

Die Forscher verweisen zudem auf weitere wichtige "Haargene": Sie haben eines gefunden, das für Locken sorgt, ein zweites, das Bärten ihre Dichte verleiht, und ein drittes, dem Augenbrauen ihr Aussehen verdanken. Besonderes Highlight: Ein bestimmtes Gen trägt dazu bei, ob die Augenbrauen zur sogenannten Monobraue zusammenwachsen.

Den Forschern ist es wichtig zu betonen, dass all diese Eigenschaften nicht alleine an den Erbanlagen liegen: "Die Gene, die wir identifiziert haben, verursachen das Grauwerden oder die Glätte von Haaren nicht alleine", sagt Adhikari, "aber sie spielen eine wichtige Rollen neben anderen Faktoren, die es noch zu erforschen gilt."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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