Standort: science.ORF.at / Meldung: "Stonehenge war auch ein Friedhof"

Der Eingang zu einem "Long Barrow"

Stonehenge war auch ein Friedhof

Wer den Namen Stonehenge hört, denkt in erster Linie an den rätselhaften Kreis aus riesigen Steinen, der vor mehr als 4.000 Jahren in England errichtet wurde. Aber Stonehenge ist mehr, wie ein nun "durchleuchteter" Grabhügel zeigt: Es ist ein Spiegel der steinzeitlichen Gesellschaft und ihres Umgangs mit Leben und Tod.

Steinzeit 02.03.2016

Den Untergrund sichtbar machen

Auf einer Fläche von 15 Quadratkilometern wurde der Untergrund von Stonehenge durchleuchtet und am Computer rekonstruiert. "Damit können wir die unterschiedlichsten Baustrukturen im Untergrund nach Jahrtausenden wieder sichtbar machen", sagt Wolfgang Neubauer, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion in Wien.

Das Besondere an der Technik ist, dass damit dreidimensionale Bilder des Untergrunds von Stonehenge entstehen und man damit ganz anders arbeiten kann als mit zweidimensionalen Plänen.

Ö1 Sendungshinweis

Über die Grabhügel in Stonehenge berichtete auch Wissen aktuell am 2.3.2016, 13.55 Uhr.

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Rekonstruktion von Ur-Stonehenge

LBI ArchPro/7reasons

Eine Rekonstruktion des "Ur-Stonehenge", wie es laut Bodenradar und Magnetfeldmessungen ausgesehen haben soll

Steinzeitliche Grabhügel

Unzählige neue Monumente und hunderttausende Gruben wurden durch Bodenradar und Messungen des Erdmagnetfeldes entdeckt, so der Archäologe: "Die Geschichte der Landschaft von Stonehenge beginnt bereits vor 10.000 Jahren, als erste Gruppen von Jägern und Sammlern durchgezogen sind."

Als aus den Jägern und Sammlern Bauern und Viehzüchter geworden waren, prägten sie auch zunehmend die Landschaft - und diese Spuren sind bis heute sichtbar. Denn für die Landschaft in Südengland sind die steinzeitlichen Grabhügel typisch, die so genannten Long Barrows.

Rekonstruktion eines "Hauses der Toten"

LBI ArchPro/7reasons

Rekonstruktion: Ein Holzpfosten verschließt den Eingang eines "Long Barrow"

Entfleischte Tote und verwitterte Knochen

Einen solchen Grabhügel haben die österreichischen Forscherinnen und Forscher nun gemeinsam mit der Universität Birmingham genau durchleuchtet und dabei Details zum jungsteinzeitlichen Umgang mit den Toten herausgefunden: "Diese Grabhügel sind so gebaut wie ein neolithisches (jungsteinzeitliches, Anm.) Langhaus - also lange Gebäude aus Holz, in die die Toten gebracht wurden, nachdem man sie entfleischt und die Knochen der Witterung ausgesetzt hat", erklärt Wolfgang Neubauer.

"Gräber ganzer Gemeinschaften" seien das gewesen, so der Archäologe, die gleichzeitig der Grenzziehungen dienten: "Dieses Land gehört uns, das ist das Land unserer Vorfahren."

Zur Sonne ausgerichtet

Wie nahezu überall in Stonehenge spielte die Sonne auch bei der Errichtung der Grabanlagen eine wichtige Rolle, so Wolfgang Neubauer: "Das Gebäude war so ausgerichtet, dass der Eingang am Tag der Sonnenwende zur aufgehenden Sonne zeigte und die Gebeine der Vorfahren beschienen wurden", sagt Wolfgang Neubauer.

Die "Durchleuchtung" des Bodens zeigte auch: Sollte das "Haus der Toten" endgültig verschlossen werden, wurde der Eingang durch einen mächtigen Holzpfosten verriegelt.

Ein mit Erde und Kreidegestein zugeschütteter "Long Barrow"

LBI ArchPro/7reasons

Mit Erde und Kreidegestein zugeschüttete "Long Barrows" prägen bis heute die südenglische Landschaft

Landschaft im Wandel

Dieses Haus der Toten wird in einer Ausstellung ab 20. März im Mamuz Museum in Mistelbach ebenso in einer 3-D-Rekonstruktion zu sehen sein wie auch ein Modell, das die Entwicklung der Landschaft um Stonehenge illustriert.

Letztlich geht es in der Ausstellung darum, sichtbar zu machen, dass "Stonehenge über Jahrtausende hinweg einem Wandel unterworfen war – nicht nur, was das Aussehen der Landschaft, sondern auch was seine Bedeutung für die Bevölkerung betraf", so der virtuelle Archäologe Wolfgang Neubauer.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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Forum

 
  • Holzposten?

    karl273, vor 144 Tagen, 7 Stunden, 46 Minuten

    nicht in Google und Wikipedia.

    • Sorry!

      scienceredaktion, vor 144 Tagen, 6 Stunden, 3 Minuten

      Das war ein Tippfehler, es sollte "Pfosten" heißen.
      EZ