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Ein Jogger und ein Radfahrer vor einem blauen Himmel.

Bewegung unterstützt Krebstherapie

Bewegung kann auch nach einer Krebserkrankung viel Gutes tun. Mittlerweile gibt es acht Rehaeinrichtungen in Österreich, in denen man für je drei Wochen stationär trainieren kann. Denn die onkologische Rehabilitation verbessert die Lebensqualität von Krebspatienten und -patientinnen.

Bewusst gesund 03.03.2016

Krebsbehandlungen, entweder operativ oder in Form von Strahlen- oder Chemotherapie, belasten den menschlichen Organismus. Daher hat man Jahrzehnte lang auf Schonung gesetzt: Keine zusätzliche körperliche Belastung neben der Krebsbehandlung war die Devise.

"Wir sehen hier einen Paradigmenwechsel, der vor zirka 20 Jahren begonnen hat und nun endlich Platz greift", erklärt Richard Crevenna von der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation in Wien.

"Heute weiß man, dass sich die Patienten ab der Diagnose moderat weiter bewegen sollen." Dadurch verbessern sich das allgemeine Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Auch Schmerzen können minimiert werden.

Mit dem Krebs leben

Fast 40.000 Menschen erkranken jedes Jahr an Krebs. Die Überlebensaussichten von Krebspatientinnen und -patienten in Österreich steigen. Die relativen Fünf-Jahres-Überlebensraten zeigen, wie viele Menschen mit einer Krebserkrankung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung nach fünf Jahren noch leben. Diese Überlebensrate ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen. Mittlerweile liegt sie für Patienten unter 44 Jahren bei über 80 Prozent und für Über-75-Jährige knapp über 45 Prozent.

Die relative 5-Jahres-Überlebensrate in Österreich 1985-2009 nach Alter

Juliane Nagiller, ORF; Quelle: Statistik Austria

Die relative 5-Jahres-Überlebensrate in Österreich 1985-2009 nach Alter

Ein gekräftigter Organismus scheint Krebstherapien in vielen Fällen besser zu vertragen. Körperliche Bewegung und gezieltes Training können diesen Effekt verstärken. "Das krebsspezifische Überleben kann bei gewissen Krebserkrankungen noch verbessert werden", sagt Richard Crevenna. "Und aufgrund von Herz-Kreislauf-Wirkungen und Stoffwechselwirkungen kann natürlich auch das allgemeine Überleben durch Sport verbessert werden."

Das Trainingsrezept

Zentral ist, dass die Patientinnen und Patienten ihre individuelle Trainingsvorgabe bekommen. "Man spricht auch von einem Trainingsrezept. Training ist zu verschreiben wie ein Medikament", sagt Richard Crevenna. Die Intensität des Trainings hängt ab von der Leistungsfähigkeit der Patientinnen und von ihrer körperlichen Belastbarkeit. Diese kann durch Begleiterkrankungen der Krebstherapie wie Herz- oder Stoffwechselerkrankungen niedriger sein.

Studien haben gezeigt, dass die onkologische Rehabilitation depressiven Verstimmungen und Angstzuständen entgegenwirken kann. "Wir sehen auch eine Verminderung des Gefühls der Tagesmüdigkeit, des Erschöpfungssyndroms. Es kann sich der Nachtschlaf verbessern und die Libido", berichtet Crevenna.

Außerdem steige durch das Training die körperliche Leistungsfähigkeit. Eine onkologische Rehabilitation sei allerdings nicht für alle Krebspatienten geeignet. Ein Aufenthalt wird innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Diagnose empfohlen. Des Weiteren muss die Wahrscheinlichkeit bestehen, dass sich der Patient in der Reha körperlich und mental verbessert.

Angebot in Österreich

Laut Pensionsversicherungsanstalt haben 4.870 Personen im vergangenen Jahr eine stationäre, onkologische Rehabilitation in Anspruch genommen. Der Aufenthalt beträgt an die drei Wochen. Internisten, Psychologen, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten betreuen die Patienten und Patientinnen und schulen auch in Hinblick auf zukünftige Lebensgewohnheiten, um das Risiko einer Wiedererkrankung zu verringern.

Wichtig sei, über den Reha-Aufenthalt hinaus, in Bewegung zu bleiben. Dafür wären mehr ambulante Einrichtungen wichtig, plädiert Richard Crevenna. Derzeit gibt es acht stationäre Rehabilitationseinrichtungen und eine ambulante Einrichtung in Österreich.

Juliane Nagiller, Ö1 Wissenschaft

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