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Neuron im Nervennetzwerk

Was hinter Selbstlosigkeit steckt

Von außen lässt sich schwer feststellen, ob jemand aus Mitgefühl selbstlos handelt oder deshalb, weil er sich für eine vorangegangene Freundlichkeit revanchiert. Laut einer aktuellen Studie lässt sich das Motiv aber am Gehirn ablesen.

Hirnforschung 04.03.2016

Manchmal sind wir uns sogar selbst nicht darüber im Klaren, was uns zu einem bestimmten Verhalten veranlasst, welche Motive uns leiten. Auch von außen ist es nicht ersichtlich. Mit diesem Problem kämpfen Wissenschaftler, wenn sie versuchen, menschliches Verhalten zu verstehen.

Die Studie in "Science":

"The brain’s functional network architecture reveals human motives" von G. Hein et al., erschienen am 3. März 2016.

Forschern um den aus Österreich stammenden Wirtschaftswissenschafter Ernst Fehr von der Universität Zürich ist es nun nach eigenen Angaben gelungen, Motive für selbstloses Verhalten mittels Messungen von Hirnaktivität zu unterscheiden. Die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnarealen ist demnach unterschiedlich, je nachdem welche Motive ein Verhalten leiten.

Verknüpfung entscheidend

In der Studie mussten Probanden im Hirnscanner einem Standardtest für selbstloses oder egoistisches Verhalten absolvieren. Zuvor teilten die Wissenschafter die Teilnehmer in zwei Gruppen: Bei der "Empathie"-Gruppe erweckten sie Mitgefühl, bei der "Reziprozitäts"-Gruppe lösten sie den Wunsch aus, sich für eine gute Tat zu revanchieren.

Am bloßen Verhalten während des Standardtests ließ sich nicht ablesen, zu welcher Gruppe die Probanden gehörten. Auch schienen die gleichen Hirnareale bei selbstlosen Entscheidungen aufzuleuchten.

Das unterschiedliche Motiv für ihr Verhalten wurde allerdings deutlich, als die Forscher die Verknüpfungen zwischen diesen Hirnarealen untersuchten. "Die Motiven wirken sich so ausgeprägt auf das Zusammenspiel der Gehirnregionen aus, dass wir die Motive einer Person danach klassifizieren konnten", erklärte Hein.

Die Wissenschaftler machten noch eine weitere interessante Entdeckung: Wenn sie die Probanden in generell eher Egoisten oder Altruisten einteilten, erkannten sie, dass Mitgefühl egoistische Personen zu selbstloserem Verhalten veranlasst. Der Wunsch, eine erfahrene Freundlichkeit zu erwidern, machte sie jedoch nicht selbstloser.

science.ORF.at/APA/sda

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