Standort: science.ORF.at / Meldung: "Pilz gefährdet Bananen"

Eine Staude Bananen in einem Markt

Pilz gefährdet Bananen

Die Banane ist die beliebteste exotische Frucht Österreichs. Doch ein Bodenpilz führt nun dazu, dass die Pflanzen weltweit an der "Panamakrankheit" erkranken und vertrocknen. Dadurch ist die am weitesten verbreitete Sorte gefährdet.

Panamakrankheit 05.03.2016

Die Cavendish-Banane wird rund um den Globus am häufigsten exportiert und ist jene Sorte, die wir normalerweise im Supermarkt finden.

Doch nun gefährdet ein, mit freiem Auge nicht sichtbarer Pilz diese Sorte, wie der Pflanzenpathologe Randy Ploetz von der Universität Florida gegenüber science.ORF.at erklärt: "Der Pilz hat sich von Südostasien her ausgebreitet und wurde seither auch auf Plantagen im Mittleren Osten, im Norden Australiens, China sowie in Mozambique entdeckt."

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Diesem Thema widmete sich auch das Ö1 Mittagsjournal am 5. 3.um 12:00 Uhr.

Wasserleitung verstopft

Dabei löst ein Fusarium-Pilz bei den Bananen die so genannte "Panamakrankheit" aus. Der Erreger dringt über die Wurzeln in die Pflanze ein und verstopft ihr Leitungssystem, mit dem sie Wasser und Nährstoffe aus dem Boden zieht. Die Folge: Die Pflanze vertrocknet vollständig.

"Es ist gravierend. Ist der Pilz nämlich einmal in der Erde, bleibt er dort für sehr viele Jahre. Solange kann die Cavendish-Banane dort nicht mehr wachsen. Ein effektives Gegenmittel gibt es nicht", so Ploetz.

Entdeckt wurde diese Art Fusarium-Pilz – auch "Tropical Race 4" genannt – erstmals im Jahr 1989 in Taiwan und zwar zufällig durch Randy Ploetz: "Ich forschte gerade zu unterschiedlichen Fusarium-Pilzen und bekam eine Pflanzenprobe aus Taiwan. Wir wussten nach der Untersuchung sofort, dass wir es mit einem neuen Typ zu tun hatten."

Lateinamerika noch verschont

In den darauffolgenden Jahren tauchte der Erreger in Indonesien und Malaysien auf, bis er sukzessive auch Plantagen in Afrika, Australien und China erreichte.

Die großen Exportländer Lateinamerikas wie Ecuador, Costa Rica und Kolumbien blieben bisher verschont. Für Experten wie Ploetz ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis der Pilz auch dort wütet: "Wir wissen nicht, wann es passiert. Allerdings hat die Geschichte gezeigt, dass der Pilz unverwüstlich ist und sich schleichend über die ganze Welt ausbreitet."

So wird er beispielsweise über Erdreste an Schuhen oder an Bananenkisten verschleppt sowie über infizierte Triebe, die neu eingepflanzt werden. Innerhalb einer Plantage kann der Erreger auch über das Bewässerungssystem relativ leicht an Boden gewinnen, wie Ploetz erklärt: "Man kann zwar mit großer Vorsicht die Ausbreitung verzögern, aufhalten lässt sie sich nicht."

Nicht aufzuhalten

Das zeigt sich auch am Beispiel Australien – ein Land, in dem laut Ploetz die besten Experten für die Bekämpfung des Pilzes sitzen und wo die Vorsichtsmaßnahmen dementsprechend hoch sind.

"Der Pilz tauchte hier erstmals 1997 im Norden des Landes auf. Letztes Jahr hat er nun auch Plantagen in Queensland befallen. Ehrlich gesagt, wenn Australien es nicht schaffen, den Pilz so weit in Schach zu halten, bezweifle ich, ob das überhaupt jemand kann", so der Pflanzenpathologe.

Déjà-vu: Bananensorte "Gros Michel"

Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass der Erreger für das Ende einer weltweit exportierten Bananensorte sorgen würde, erklärt Ploetz:

"Die 'Rasse 1' war der erste Typ dieses Fusarium-Pilzes. Er wurde erstmals in Panama gefunden – davon kommt auch der Name 'Panamakrankheit'. Bis ca. 1960 rottete er die damals weltweit vorherrschende Sorte 'Gros Michel' beinahe aus."

Die Sorte Cavendish ist zwar gegenüber "Rasse 1" immun – nicht aber gegenüber der neuen "Rasse 4", die sich derzeit ausbreitet. Eine Ersatzbanane, die genauso schmeckt und ertragreich ist, gibt es momentan nicht. Doch so bedrohlich die Krankheit ist, ganz ausrotten wird sie die Banane nicht, ist Ploetz überzeugt. "Auch Gros Michel wurde durch die Panamakrankheit nicht vollständig vernichtet. Sie wird auch an manchen Orten noch angebaut, aber eben nicht mehr in Massen."

Künftig größere Vielfalt im Regal

Dieses Schicksal könnte irgendwann auch der Cavendish-Banane bevorstehen. Allerdings gibt es durchaus Trost: Experten zufolge könnte nämlich dann das Bananenangebot in den Supermärkten wieder vielfältiger werden – und zwar in Form, Farbe und Geschmack.

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

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