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Eine junge afrikanische Frau bestellt den Boden.

Wie man die Erträge sichern könnte

Schon jetzt leiden manche Weltregionen stark unter dem Klimawandel. Ernteausfälle bedrohen die Grundversorgung. Das könnte noch schlimmer werden, wie zwei aktuelle Studien am Beispiel von Afrika und Südamerika zeigen. Mit geeigneten Gegenmaßnahmen könnte aber jetzt noch eingegriffen werden.

Klimawandel 08.03.2016

Der Klimawandel verändert die Geografie. Damit verändern sich auch die Landschaft und die Möglichkeiten, diese für Ackerbau zu nutzen. Das betrifft vor allem Gegenden, die heute schon unter erschwerten Bedingungen wie Trockenheit und nährstoffarmen Böden wirtschaften müssen.

In einer Studie weisen Forscher um Ulrike Rippke vom International Center for Tropical Agriculture nun darauf hin, dass sich etwa die Landwirtschaft im Afrika südlich der Sahara dringend auf die sich ändernden klimatischen Verhältnisse einstellen müsste, wenn sie weiterhin dieselben Ernteerträge erzielen möchte wie bisher.

Dabei geht es um nichts weniger als die Versorgung und die Lebensgrundlage eines Großteils der Einwohner, am afrikanischen Kontinent leben immerhin etwa 75 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft, worauf ein afrikanischer Naturschutzexperte anlässlich der Klimakonferenz in Paris hinwies.

Anbaugebiete nicht mehr nutzbar

Auf Basis unterschiedlicher Klimamodelle haben die Forscher nun berechnet, wie sich die klimatischen Veränderungen auf den Anbau von neun Kulturpflanzen, die 50 Prozent der Gesamternte ausmachen, auswirken, konkret Bananen, Mais, Bohnen, zwei Hirsearten, Maniok, Erdnüsse und Yams. Wie sich zeigte, reagieren nicht alle Pflanzen gleich.

Die gute Nachricht: Traditionelle Pflanzen wie Hirsen und Wurzeln dürften auch in Zukunft nicht so stark unter dem Klimawandel leiden. Anders sieht es bei Bananen, Bohnen und Mais aus.

Besonders betroffen sind Bananenanbaugebiete in Ghana, Togo und Benin und Maisanbaugebiete Namibia, Botswana, Zimbabwe und Mozambique. Hier werden die Auswirkungen schon im nächsten Jahrzehnt spürbar werden und entsprechende Gegenmaßnahmen wären laut den Forschern mehr als dringend.

Auch die Bohnenanbauregionen in Uganda und Tansania werden den Berechnungen zufolge stark betroffen sein. Derzeit liefern diese Gebiete über 40 Prozent aller Bohnen in Subsahara-Afrika. Insgesamt werden mehr als 30 Prozent der Mais- und Bananenanbaugebiete sowie 60 Prozent der Bohnenanbaugebiete bis 2100 nicht mehr nutzbar sein.

Dringend gegensteuern

Würden jedoch schon jetzt die richtigen Strategien ergriffen, ließe sich das Schlimmste noch verhindern, z.B. müsste man neue Bewässerungstechniken entwickeln, die Landwirte gezielt über die bevorstehenden Veränderungen beraten, hitze- und trockenresistente Pflanzen züchten, zu resistenteren Kulturpflanzen wie Hirse oder zu Viehzucht wechseln.

Es gebe schon Beispiele, wie geänderte Anbaustrategien die Erträge steigern können. Ein Projekt in Uganda etwa setzt auf den wechselnden Anbau von Bananen und Kaffee, der Ertrag konnte so um 50 Prozent gesteigert werden. In Senegal gibt es einen zentralen landwirtschaftlichen Informationsdienst für die ländliche Bevölkerung.

Produktion geht zurück

Eine weitere zeitgleich erschienene Studie hat die landwirtschaftliche Entwicklung eine andere südliche Weltregion untersucht, im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Von dort stammen etwa zehn Prozent der weltweiten Sojabohnenproduktion.

Für die Berechnungen griffen die Forscher um Avery S. Cohn von der Fletcher School of Tufts University auf historische Daten zurück. Sie haben sich angesehen, wie sich die Niederschläge und die Temperatur auf die Ernten in den Jahren 2002 bis 2008 ausgewirkt haben.

Die Projektion dieser Zusammenhänge in die Zukunft ergab: Schon die Erwärmung um ein Grad Celsius könnte den Ertrag von Soja und Mais um neun bis 13 Prozent reduzieren. "Das ist besorgniserregend, denn die meisten Szenarios gehen von einer Erwärmung um zwei Grad bis Mitte des Jahrhunderts aus", so Cohn in einer Aussendung.

Reaktion der Bauern

Die Studie hatte aber mehr als den Nettoverlust bei den Erträgen im Blickpunkt, vor allem wollten die Forscher klären, ob und welche Anbaustrategien dabei ebenfalls eine Rolle spielen.

Denn manche Bauern bauen einfach weniger an, wenn die Profite niedrig sind, manche Flächen liegen dann brach. Auch die sogenannte Doppelaussaat, die in der Region recht häufig ist, leidet unter den klimatischen Änderungen. Dabei werden innerhalb einer Saison hintereinander zwei Kulturpflanzen angebaut. Wenn das Wetter nicht passt, fällt die Zweitnutzung flach.

Laut einer Auswertung von Satellitendaten wirkt sich die Erwärmung massiv auf diese Praktiken aus: Es wird deutlich weniger angebaut und viel seltener doppelt ausgesät. 70 Prozent der ausfallenden Erträge gehen den Forscher zufolge darauf zurück. Wahrscheinlich bräuchte es geeignete Anreize, um diese Reaktionen der Bauern abzufangen.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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