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Ein maskierter Arbeiter am Reaktorengelände von Fukushima

Fukushima: Nahrungsmittel kaum belastet

Heute vor fünf Jahren ist es an der japanischen Pazifikküste zum schlimmsten Reaktorunfall seit Tschernobyl gekommen. Die Aufräumarbeiten sind nach wie vor im Gange, viele Menschen sind noch immer in Notunterkünften untergebracht. Aber zumindest in puncto Nahrungsmittelsicherheit gibt es positive Nachrichten.

Fünf Jahre 11.03.2016

Am 11. März 2011 kommt es an der japanischen Pazifikküste zur Dreifachkatastrophe: Einem verheerenden Erdbeben folgte ein Tsunami, der wiederum zur Nuklearkatastrophe von Fukushima führte. Abgesehen von der Sperrzone in der Nähe des Reaktors, laufen seit damals die Aufräumarbeiten. Radioaktiv verseuchter Boden wird abgetragen, alle Lebensmittel werden auf Strahlung hin untersucht - was über den Grenzwerten liegt, kommt nicht in den Handel.

Fukushima als soziales Stigma

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Dem Thema widmen sich auch Beiträge in den Journalen und Wissen Aktuell am 11.3.

Und dennoch, viele Japaner haben das Vertrauen in Regierung und Behörden verloren. Und darunter leiden vor allem die Bewohner der Präfektur Fukushima, sagt der österreichische Strahlenphysiker Georg Steinhauser von der Universität Hannover, der die Situation in Japan seit fünf Jahren verfolgt: "Diese Sorge führt dazu, dass man Fukushima meidet und dass man die Menschen dort gewissermaßen wie Aussätzige behandelt und damit stigmatisiert."

Das hat auch wirtschaftliche Folgen: Produkte aus der Präfektur Fukushima werden im Rest des Landes nur selten gekauft. Vor allem Lebensmittel genießen kein vertrauenswürdiges Ansehen. Für viele Bauern aus der Region wird das zu einer existenzbedrohenden Belastung.

Fische haben sich weitgehend erholt

Doch gerade in Hinblick auf Nahrungsmittel gibt es gute Nachrichten aus Fukushima: Eine aktuelle Studie, die im Fachmagazin PNAS erschienen ist, zeigt, dass die Meeresfische in der Region kaum noch radioaktiv belastet sind. Die japanischen Wissenschaftler haben dafür Messdaten verschiedener Fische aus unterschiedlichen Regionen Japans verglichen.

Bei den Messungen konzentrierten sich die Forscher auf die Cäsium-Isotope Cs-134 und Cs-137. Untersucht wurde von April 2011 bis März 2015. Die Studie zeigt, dass die radioaktive Belastung der Fische aus dem Pazifik seit dem Jahr 2011 stetig gesunken ist. Dass Fische aus der Präfektur Fukushima den gesetzlichen Grenzwert übersteigen - im Übrigen auch solche aus Süßwasser - sei heute äußerst selten.

Keine Belastung bei importierten Fischen

Auch Kontrollen der österreichischen Behörden haben gezeigt, dass die Strahlenbelastung von Fischen aus dem Pazifik sehr gering ist. 400 Stichproben hat das Gesundheitsministerium in den vergangenen fünf Jahren untersucht. Bei vier Proben - zweimal Thunfisch, zweimal Wildlachs - wurden die Tester fündig: Sie entdeckten geringe Mengen von radioaktivem Cäsium.

"Eine genauere Analyse hat aber gezeigt, dass dieses Radio-Cäsium noch aus den Kernwaffenversuchen der 1950er und 60er Jahre stammt, die im Pazifik gemacht wurden", sagt Manfred Ditto, Leiter der Strahlenschutzabteilung des Gesundheitsministeriums. Aber auch hier lag die Strahlung weit unter einem Prozent der erlaubten Grenzwerte.

Unzählige Messdaten vorhanden

Wissenschaft und Öffentlichkeit stehen jedoch nicht nur Messdaten zu Lebensmitteln zur Verfügung. Die japanischen Behörden veröffentlichen auch alle Daten aus Luft- und Bodenmessungen. "Das sind hunderttausend, Millionen Messdaten, die es bislang gibt und denen man vertrauen kann", erläutert Georg Steinhauser.

Erste Analysen, die er mit seiner Gruppe durchgeführt hat, konnte zeigen, dass die Daten valide sind. "Und sie zeichnen eigentlich ein ganz gutes Bild, dass die Lebensmittelsicherheit in Japan soweit sichergestellt ist und dass man dort ohne weiteres leben und auch sich ernähren kann", ergänzt der Strahlenphysiker. Einziges Problem für die Wissenschaftler ist die riesige Datenmenge, die auf diese Weise produziert wird. Georg Steinhauser und sein Team konnten bis jetzt nur einen kleinen Teil der Daten auswerten. Weitere Analysen sollen in den nächsten Jahren folgen.

Marlene Nowotny, Ö1-Wissenschaft

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