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Der Schauspieler Sean Penn als Schattenriss raucht eine Zigarette

Rauchstopp: Schneller Entzug am besten

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Nur: Wie wird man das Laster am ehesten los? Britische Forscher raten zur Radikalmethode - der Entzug von heute auf morgen habe die besten Erfolgsaussichten.

Medizin 15.03.2016

"Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft." Schon Mark Twain wusste offenbar, wo das Problem liegt. Zwischen Aufhören und wirklichem Aufhören besteht eben ein Unterschied.

Im Prinzip gibt es zwei Wege zur wirklichen - also dauerhaften - Abstinenz: Da ist zum einen die sanfte Methode, der schrittweise Abschied von der Zigarette. Und zum anderen die harte Tour, null Zigaretten ab dem Tag X.

Ausschleichen vs. Absetzen

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 15.3. um 13:55.

Nicola Lindson-Hawley von der Oxford University hat nun beide Methoden an knapp 700 Entzugswilligen getestet. Die Raucher aus Gruppe eins mussten von heute auf morgen mit dem Qualmen aufhören. Die aus Gruppe zwei wurden indes angewiesen, ihren Zigarettenkonsum in den letzten 14 Tagen vor dem Versuch schrittweise einzuschränken - 75 Prozent Reduktion waren die Vorgabe.

Danach kontrollierte Lindson-Hawley die Rückfallquoten. Das Resultat: Diejenigen, die den Rauchstopp schnell durchgezogen hatten, waren erfolgreicher. Aus dieser Gruppe waren vier Wochen später immerhin noch 49 Prozent abstinent geblieben - im Vergleich zu 39 Prozent in der zweiten Gruppe. Sechs Monate später fielen die Werte auf 22 (Gruppe eins) bzw. 16 Prozent (Gruppe zwei).

Die Unterschiede erklärt Lindson-Hawley gegenüber science.ORF.at folgendermaßen: "Die Probanden aus Gruppe zwei begannen sich schon vor dem endgültigen Absetzen unwohl zu fühlen. Sie litten zwei Wochen lang unter dem Verlangen nach Zigaretten - das könnte ihre Motivation herabgesetzt haben, mit dem Aufhören wirklich Ernst zu machen."

Halbkalter Entzug

Ein Detail am Rande: Einen richtig kalten Entzug musste im Rahmen des Versuches niemand auf sich nehmen, der es nicht wollte. Die Probanden durften auch Nikotinpflaster bzw. -kaugummis verwenden, um ihre Gelüste zu dämpfen.

Dass die Erfolgsquote insgesamt dennoch wenig berauschend ausfiel, findet die britische Medizinerin nicht überraschend. Die Zahlen seien durchaus im Rahmen des Erwartbaren, höhere Erfolgsquoten gäbe es bei solchen Untersuchungen selten.

Das hat wohl auch damit zu tun, dass es beim Rauchen eben nicht nur ums Nikotin geht, sondern auch um das ganze Drumherum. Das wissen Raucher vermutlich besser als Mediziner. Hierzu konsultiere man die entsprechende Fachliteratur - zum Beispiel Mark Twain.

Robert Czepel, science.ORF.at

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