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In einer Reihe liegen Mäuse, von sehr dick bis sehr dünn

Wie Übergewicht vererbt werden kann

Zu viel Fett in der Ernährung kann krank machen. Und zwar nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Nachkommen, wie eine neue Studie an Mäusen zeigt. Selbst verursachte Fettleibigkeit und Diabetes können ihr zufolge vererbt werden.

Medizin 14.03.2016

Die Veranlagung zu diesen ernährungsbedingten Krankheiten wird sowohl über Eizellen als auch über Spermien nicht genetisch an die Nachkommen weitergegeben, sondern epigenetisch.

Das heißt, das Erbgut wird dabei nicht verändert, aber anders reguliert. Epigenetische Vorgänge sind stark durch die Umwelt geprägt - etwa von dem, was ein Organismus erlebt oder isst.

Die Studie

"Epigenetic germline inheritance of diet-induced obesity and insulin resistance" von Peter Huypens und Kollegen ist am 14. März 2016 in der Fachzeitschrift "Nature Genetics" erschienen.

Fettreiche Nahrung für Mäuse

Für ihre Studie verwendete das Team um den Genetiker Johannes Beckers vom Helmholtz Zentrum in München Mäuse, die aufgrund fettreicher Nahrung übergewichtig geworden waren und einen Typ-2-Diabetes entwickelt hatten.

Ihre Nachkommen wurden über künstliche Befruchtung gezeugt und von Leihmüttern ausgetragen. So wurden andere Einflüsse ausgeschlossen, vor allem das vom Stoffwechsel einer dicken Mutter bestimmte Nahrungsangebot für den Embryo in der Gebärmutter, aber auch das Verhalten der Mütter in der Schwangerschaft und beim Säugen.

Mütterlicher Einfluss noch größer

Mehrere Studien zeigten bereits, dass Fettleibigkeit und ihre Begleiterkrankungen von Vätern epigenetisch weitergegeben werden können. Im Jänner hatten US-Forscher im Fachjournal "Science" eine Studie mit Mäusemännchen veröffentlicht, nach der fettreiche Ernährung den Stoffwechsel der Nachkommen negativ beeinflussen kann. Andere Forscher wiesen eine ähnliche Wirkung auch bei Menschen nach.

Neu ist nun bei der Münchner Studie der Weg über die künstliche Befruchtung mit entnommenen Eizellen und Spermien, sodass auch der Einfluss der mütterlichen Erbanlagen isoliert gesehen werden kann.

Dabei konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der mütterliche Einfluss auf die Veränderung des Stoffwechsels noch größer ist als der väterliche - und dass männliche und weibliche Nachkommen unterschiedlich betroffen sind: Weibliche Nachkommen wurden eher dicker, männliche Nachkommen hatten höhere Blutzuckerprobleme.

Weibliche Nachkommen stärker betroffen

"Es zeigte sich, dass sowohl Eizellen als auch Spermien epigenetische Information weitergeben, die insbesondere bei den weiblichen Nachkommen zu einer starken Fettleibigkeit führten", sagte Studienleiter Beckers. Der Initiator der Studie und Direktor des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum, Martin Hrabe de Angelis sieht auch eine mögliche Erklärung für die Ausbreitung der Zuckerkrankheit.

"Diese Art der epigenetischen Vererbung einer durch Fehlernährung erworbenen Stoffwechselstörung könnte eine weitere wichtige Ursache für den weltweiten dramatischen Anstieg der Diabetes-Prävalenz seit den 1960er Jahren sein", betont Hrabe de Angelis in einer Aussendung. Da epigenetische Vererbung anders als die genetische prinzipiell reversibel sei, hoffen die Forscher nun auf neue Chancen, Adipositas und Diabetes zu Leibe zu rücken.

science.ORF.at/APA/dpa

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