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Ein Feenkreis betrachtet aus dem Flugzeug in der Wüste

Rätselhafte Graskreise entstehen von selbst

Wie entstehen Feenkreise - runde, kahle Stellen inmitten von Graslandschaften? Termiten sind dafür verantwortlich, lautet eine Erklärung. Forscher, die das Phänomen erstmals außerhalb von Afrika entdeckt haben, bieten nun eine Alternative: Sie entstehen von selbst, als Folge der örtlichen Gegebenheiten.

Phänomen 14.03.2016

Bisher waren die kreisförmigen kahlen Stellen inmitten von trockenen Graslandschaften nur aus dem Südwesten Afrikas, vor allem aus Namibia, bekannt. Sie überziehgen die Landschaft in großer Zahl. Jeder der wie mit einem Zirkel gezogenen Punkte ist bei näherem Blick von einem Kranz aus hohem Gras umwachsen.

Die Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences":

“Discovery of fairy circles in Australia supports self-organization theory” von Stephan Getzin et al., erschienen am 14. März 2016.

Der Durchmesser der Kahlstellen kann mehrere Meter betragen. Eine der Theorien zu ihrer Entstehung besagt, dass Termiten oder Ameisen die Gräser an den Kahlstellen entfernen, damit diese in den Trockenlandschaften nicht die wenige Feuchtigkeit aus dem Boden ziehen. 2013 etwa berichtete Norbert Jürgens von der Universität Hamburg im Fachblatt "Science", Sandtermiten verringerten das Graswachstum, indem sie die Graswurzeln fressen.

Gleichmäßige Verteilung

Wissenschaftler um Stephan Getzin vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig vertreten hingegen bereits seit einiger Zeit die Ansicht, dass die Kreise durch Selbstorganisation entstehen. "Das Besondere an Feenkreisen ist, dass sie sich auch über größere Gebiete erstaunlich regelmäßig und homogen verteilen, aber nur innerhalb eines engen Niederschlagsbereichs", sagt Getzin.

Feenkreis in Australien

Stephan Getzin

Feenkreis in Australien

Ein solches Muster entstehe am ehesten durch Konkurrenz um Wasser. Kritiker dieser Theorie bemängelten allerdings, dass es dann auch in anderen Trockenregionen ähnliche Strukturen geben müsste. Und genau das wies das Team nun nach: Die Forscher entdeckten eine mit Feenkreisen durchsetzte Landschaft im australischen Outback - 10.000 Kilometer von Namibia entfernt.

Luftaufnahmen belegen, dass die Kreise ganz ähnlich angeordnet sind wie die afrikanischen. Jeder der Kahlstellen ist demnach in gleichem Abstand von sechs weiteren umgeben. Aus der Vogelperspektive sind die Feenkreise gleichmäßig in der Landschaft verteilt.

Regen perlt ab

Vor Ort untersuchten die Forscher die Kreise genauer. Sie bestimmten unter anderem ihre Größe, maßen die Temperatur an der Oberfläche oder beobachteten, wie dort Wasser versickert. Nach der Auswertung kommen sie zu dem Schluss, dass der spärlich fallende Regen in der Region an den durch die Trockenheit extrem verhärteten Flächen abperlt und nicht in den Boden eindringt. Stattdessen wird das Wasser oberirdisch an die Ränder geleitet, wo es versickert und das Wachstum der Gräser begünstigt. Die kahlen Stellen bleiben kahl, weil Samen auf dem harten und heißen Boden nicht keimen können.

Mathematisch nachvollziehbar

In Afrika sei die Bodenstruktur anders. "Das Wasser versickert im sandigen Boden und verbleibt unter der Oberfläche. Da oben keine Pflanzen wachsen, verdunstet das Wasser nicht, es diffundiert von dort an die Ränder", erläutert Getzin. "Das ist im Detail zwar ein anderer Mechanismus als in Australien ... Er führt aber zum gleichen Vegetationsmuster." Im mathematischen Modell konnten die Wissenschaftler die Entstehung der Feenkreise nachvollziehen.

Schließlich suchten die Wissenschaftler im australischen Outback noch nach Termitenbauten oder Ameisennestern. An einigen Kahlflächen fanden sie Hinweise auf die Insekten, an den meisten aber nicht. Außerdem gab es keinen Zusammenhang zwischen der Größe der Flächen und der Zahl der vorhandenen Insekten beziehungsweise ihrer Bauten. Ob das auch für die Feenkreise in Namibia gilt? Getzin: "Wir zeigen mit unserer Untersuchung zumindest, dass Feenkreise grundsätzlich ganz ohne Termiten oder Ameisen entstehen können." Vermutlich seien auch in anderen Trockenlandschaften der Welt Feenkreise zu finden.

science.ORF.at/APA/dpa

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