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Ein Arzt studiert eine Röntgenaufnahme menschlicher Lungen.

Tuberkulose: Weniger Fälle in Österreich

Während deutsche Medien von einem Anstieg der Tuberkulosefälle in unserem Nachbarland berichten, gibt es hierzulande Entwarnung: Die Tuberkulose ist in Österreich rückläufig, die Statistiken für das Jahr 2015 weisen einen neuen Tiefststand aus.

Infektionskrankheiten 16.03.2016

2015 wurden in ganz Österreich nur 575 Tuberkulosefälle erfasst. Damit hat sich die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen zehn Jahren beinahe halbiert. Besonders deutliche ist der Rückgang bei der österreichischen Bevölkerung. Bei Asylsuchenden, die ausnahmslos auf Tuberkulose getestet werden, gab es einen leichten Anstieg. Die Gesamtzahl ist jedoch rückläufig.

Weltweit ein großes Problem

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet heute auch das Mittagsjournal, 16.3.2016, 12.00 Uhr.

Tuberkulose ist eine gefährliche Infektionskrankheit: Jedes Jahr erkranken 10 Millionen Menschen weltweit an Tuberkulose - 1,5 Millionen sterben daran. Betroffen sind vor allem ärmere Menschen, Flüchtlinge und Kriegsopfer. Die größte Verbreitung gibt es in Südostasien, einigen afrkanischen Ländern und Russland.

Wird die Tuberkulose rechtzeitig erkannt und stehen entsprechende Therapien zur Verfügung, ist die Krankheit in den meisten Fällen heilbar. Bei der Therapie wird eine Kombination von Medikamenten eingesetzt, sogenannte Tuberkulostatika. In Österreich wird jeder einzelne Fall von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erfasst.

Isolation notwendig

Die Behandlung dauert mehrere Monate. Solange von den Patienten eine Ansteckungsgefahr ausgeht, werden sie in Spezialstationen isoliert. "Wenn ein Patient Tuberkelbakterien ausscheidet, wird er in dieser Zeit isoliert", erläutert Meinhard Kneussl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. Das sei gesetzlich so vorgsehen.

Tuberkulose wird in ganz Österreich in Spezialabteilungen von Krankenhäusern behandelt. In Wien passiert das ausschließlich im Wilhelminen Spital und im Otto-Wagner-Spital. Dort wird kommenden Freitag zusätzlich die neue Tuberkulosestation Severin eröffnet, die auf die Behandlung resistenter Tuberkuloseerreger spezialisiert ist.

Multiresistente Erreger in Österreich selten

Nicht jede Ansteckung mit Tuberkulose führt auch zum Ausbruch der Krankheit: Von 100 Infizierten entwicklen nur fünf eine ansteckende Tuberkulose in den folgenden beiden Jahren. Bei weiteren fünf kann es im Lauf des Lebens zu einer Erkrankung kommen. Problematisch sind in diesem Zusammenhang vor allem multiresistente Erreger, die schlecht auf eine Antiobiotikatherapie regieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 5,3 Prozent der weltweiten Tuberkuloseinfektion durch multiresistente Bakterienstämme erfolgen. In Österreich ist diese Zahl wesentlich niedriger: Hier werden ein bis zwei Prozent der Erreger als resistent eingestuft.

Therapie oft erfolgreich

In Österreich gab es 2015 zwölf Infektionen mit multiresistenten Tuberkulosebakterien - sechs weniger als im Jahr zuvor. Und auch hier gibt es Therapieerfolge: Im Otto-Wagner-Spital wurden seit 2004 120 Patientinnen und Patienten mit multiresistenter Tuberkulose behandelt. In fast 85 Prozent der Fälle war die Therapie erfolgreich.

Dass die Zahl der Tuberkulosefälle in Österreich nicht steigt, führen die Experten auf die gute Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, niedergelassenen Ärzten und Spitälern zurück. Zusätzlich zur Behandlung in Spezialabteilungen erstellt die AGES auch genetische Fingerabdrücke jedes gefundenen Erregers. In Zusammenarbeit mit anderen internationalen Institutionen kann so auch die weltweite Verbreitung der Tuberkulose genau analysiert werden.

Marlene Nowotny, Ö1-Wissenschaft

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