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Hände einer alten Frau

Auslöser für Parkinson weiter unbekannt

Zittern, eingeschränkte Mimik, Schwierigkeiten beim Sprechen: Vor 200 Jahren hat der britische Arzt James Parkinson die Symptome, der nach ihm benannten Krankheit erstmals beschrieben. Doch die Ursachen sind weiter unbekannt.

Welt-Parkinson-Tag 11.04.2016

An die 20.000 Österreicher und Österreichinnen sind von Parkinson betroffen, Tendenz steigend. Auch wenn die Ursachen nach wie vor weitgehend im Dunklen liegen, verstehe man die Mechanismen neurologischen Erkrankung immer besser, sagt Eduard Auff, Präsident der Österreichischen Parkinson-Gesellschaft. Und das gebe Hoffnung.

Frühe Symptome oft übersehen

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet heute auch das Mittagsjournal, 11.4.2016, 12.00 Uhr.

Die Krankheit bricht meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr aus, mit den klassischen Begleiterscheinungen wie Zittern in Ruhe, das nicht mehr weggehen will oder einer Störung der Feinmotorik. Hat man diese Symptome, dann ist die Krankheit allerdings bereits in einem fortgeschrittenem Stadium.

Denn die ersten Hinweise auf Parkinson, wie Verdauungsstörungen und Irritationen im Geschmacks- und Geruchssinn werden oft übersehen. "Wenn sich bei Parkinsonpatienten die klassischen motorischen Krankheitszeichen zeigen, kann man davon ausgehen, dass die zugrunde liegenden pathologischen Prozesse bereits Jahre zuvor unbemerkt eingesetzt und Schaden angerichtet haben."

Der Erkrankungsverlauf ist bei der Parkinson-Erkrankung charakteristischerweise sehr langsam fortschreitend. Verursacht wird sie durch ein Absterben von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin steuert u.a. die menschliche Bewegungskontrolle. Warum diese Zellen absterben ist unklar, "wir wissen aber heute, dass ein fehlgefaltetes oder falsch konfiguriertes Protein - das Alpha-Synuclein - hier eine ganz bedeutende Rolle spielt."

Deses Protein dürfte mitverantwortlich für Ausbreitung der Krankheit über die Nervenbahnen sein, es könne offenbar das Schädigungsmuster von Zelle zu Zelle weitergeben, so Auff. Eine Kettenreaktion, die durch künftige Therapien gestoppt oder zumindest verzögert werden sollte.

Therapien wirken

Fakt ist auf jeden Fall, dass Parkinson gut therapierbar ist. "Sobald motorische Symptome auftreten haben wir heute eine ganze Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, die sehr effektiv sind. Das heißt, die Lebensqualität ist bei den Patienten bei entsprechender rechtzeitiger Behandlung kaum oder nicht eingeschränkt."

Darüber hinaus hilft Bewegung. Betroffene - es sind etwas mehr Männer als Frauen - sollten sich also nicht zurückziehen, aus Angst vor Stürzen oder Verletzungen. "Es wäre völlig falsch den Patienten zu sagen, sie dürften keinen Sport mehr machen. Man muss natürlich gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen, aber das 'Fit bleiben' ist ein sehr wichtiger und positiver Aspekt bei der Behandlung." Denn Sport, etwa langsames Laufen, Tischtennis oder Tanzen, aktiviere unterschiedliche Hirnareale und wirke wie ein Antidepressivum. Auch das tue den Betroffen gut.

"Leider", so Eduard Auff, "müssen wir sagen, dass derzeit keine Heilung in Sicht ist. Aber wir können mit diesen neuen Erkenntnissen über das Alpha-Synuclein nun auch neue Therapiewege eröffnen." Einer dieser neuen Wege könnte eine Impfung gegen Parkinson sein, aber da stehe man erst am Anfang.

Gudrun Stindl, Ö1-Wissenschaft

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