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Statue von Kaiser Trajan von Bukarest

Kaiser Trajan soll "Untier" 666 sein

Lange ist gerätselt worden, wer sich hinter dem "Untier" mit der Zahl 666 aus der biblischen Offenbarung des Johannes verbirgt. Wiener Historiker zeigten nun mit Hilfe eines Computerprogramms: Der Verfasser meinte wohl Kaiser Trajan.

Entschlüsselung 11.04.2016

In der Antike waren sogenannte isopsephische Rätsel beliebt. Sie beruhen auf dem Prinzip, dass jeder Buchstabe des griechischen Alphabets einen Zahlenwert hat: Alpha eins, Beta zwei, Iota zehn, Kappa 20, Rho 100, Sigma 200 usw.

Addiert man die Werte der Buchstaben eines Namens, ergibt sich eine Summe, aus der Eingeweihte den Namen erschließen konnten. So fanden sich etwa bei Ausgrabungen in Ephesos verklausulierte Liebeserklärungen als Graffiti wie "Ich liebe die, deren Zahl 865 ist" und "Der, der sie liebt, hat die Zahl 1995".

Antiker Zahlencode

War damals die Zahl der infrage kommenden Personen wohl überschaubar, ist man heute auf technische Hilfsmittel angewiesen, um diese Codes zu entschlüsseln. Die Informatikstudentin Diana Altmann entwickelte unter Anleitung von Hans Taeuber vom Institut für Alte Geschichte in ihrer Diplomarbeit ein Programm, mit dem die Zahlenwerte aller in Kleinasien nachgewiesenen Personennamen berechnet werden können. Die Datenbasis wurde vom Autor eines Lexikons für griechische Personennamen, Richard Catling, zur Verfügung gestellt.

"Damit ist es uns nun möglich, zu jeder 'Rätselzahl' eine Liste antiker Personennamen zu erstellen, auf die die betreffende Quersumme zutrifft", so Taeuber. Dabei könne eine beliebige Kombination orthografischer Varianten berücksichtigt werden.

"Untier" identifiziert

Mit dem Programm gingen die Wissenschaftler auch einem alten biblischen Rätsel nach: Im Kapitel 13 der Offenbarung des Johannes, der "Apokalypse", aus dem Neuen Testament wird ein "Untier" (therion) beschrieben, dem der "Drache" (Satan) große Macht verliehen hat und dessen Bild alle Menschen anbeten müssen. Weiter heißt es: "Hier ist die Weisheit. Wer Verstand hat, berechne die Zahl des Tieres - denn es ist eines Menschen Zahl und seine Zahl ist 666."

Der Kontext legt nach Angaben des Historikers nahe, dass es sich um einen römischen Kaiser handeln dürfte. Tatsächlich wollten verschiedene Forscher über die Jahrhunderte hinweg darin Nero, Domitian und Hadrian identifiziert haben. Taeubers Programm führte bei der Zahl 666 allerdings zu einem anderen Ergebnis: nämlich Ulpius, der Familienname des Kaisers Marcus Ulpius Traianus, der von 98 bis 117 n. Chr. regierte.

Apokalypse jünger als angenommen

Warum Trajan bisher nicht in Betracht gezogen wurde, liegt daran, dass das Sigma, also der griechische Buchstabe, am Ende von Ulpius als 200 gewertet wurde und sich daraus eine andere Summe ergab. Taeuber konnte jedoch zeigen, dass aufgrund unterschiedlicher Schreibweisen das Schluss-Sigma auch einen anderen Zahlenwert annehmen konnte.

Zwar sind von Trajan keine systematischen Christenverfolgungen bekannt. Er habe aber befohlen, Christen, die sich weigerten, den heidnischen Göttern zu opfern, mit dem Tode zu bestrafen. Taeuber sieht zudem Indizien, die auf eine Entstehungszeit der Offenbarung in trajanischer Zeit hindeuten - womit die "Apokalypse" mindestens zwei Jahrzehnte jünger als bisher allgemein angenommen wäre.

science.ORF.at/APA

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