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Eine Ballettänzerin tanzt

Tanz den Darwin

Wenn eine Verhaltensforscherin und der künstlerische Leiter eines Balletts das Interesse für Vögel und Tanz teilen, und wenn sie dann auch noch vom Urenkel Charles Darwins zusammengebracht werden, dann kann im Jahr zum 200. Geburtstag des Naturforschers so etwas entstehen: ein Stück zeitgenössischen Tanzes, das auf den Werken Darwins basiert.

Evolution 09.09.2009

"Darwin und Tanz? Für mich ist die Verbindung klar", sagt Nicola Clayton. Sie ist Verhaltensforscherin an der Universität Cambridge und hat im heurigen Darwinjahr einen neuen Nebenjob bekommen: Sie ist wissenschaftliche Beraterin der Rambert Dance Company, die Charles Darwin ein Programm widmet.

Was die Verbindung von Naturwissenschaft und Körperkunst für die Wissenschaftlerin so klar macht, sind die Balztänze der Vögel. Wenn die Männchen mit buntem Gefieder durch die Luft wirbeln, werden nur die Besten der tierischen Tänzer sich fortpflanzen - der Tanz als Grundlage der Selektion.

Komödie des Wandels

Das neue Stück heißt "The Comedy of Change". Clayton hatte die Aufgabe, Ideen Darwins aus seinem Werk auszuwählen, auf dass diese die Künstler inspirieren. "Die Tanzfähigkeiten mancher Vögel konkurrieren sogar mit den eindrucksvollsten von Profitänzern", sagt Clayton, die selbst eine begeisterte Tänzerin ist.

Die Idee zu dem Ballett hatte Stephen Keynes. Er ist ein Urenkel Charles Darwins und leitet den Charles Darwin Trust. Die Musik zum Ballett stammt unter anderem vom Jazzmusiker Bobby McFerrin, der 1988 mit dem Hit "Don't Worry Be Happy" berühmt wurde.

Zwei Jubiläen

Doch nicht nur Darwin wird heuer gefeiert, auch die Universität Cambridge. Sie wurde vor 800 Jahren gegründet und hat zum Jubiläum auch in Video gedreht, in dem Clayton ihre Ansichten zu Vögeln und Tanz erklärt.

Tanzende Vögel und Menschen: Video "Bird Tango"

Listige Vögel

Vor kurzen hat Clayton auch wieder eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht. Dafür hat sie Westliche Buschhäher beobachtet. Diese verstecken ihre Nahrung als Vorrat im Boden. Dabei achten sie darauf, dass Artgenossen sie nicht beobachten. Clayton wollte wissen, ob die Vögel ihr Essen auch dann unaufmerksam vergraben, wenn sie von anderen Vögeln zwar nicht gesehen, aber gehört werden.

Die Vögel bekamen zwei unterschiedliche Schalen als potenzielle Verstecke zur Auswahl: Eine mit Kiesel gefüllte, die beim Vergraben lärmt, und eine stille mit Erde. Wurden die Vögel von Konkurrenten belauscht, bevorzugten sie die stille Schale Auch zu dieser Arbeit gibt es ein Video. Wer überprüfen möchte, ob sich die blaugrau gefiederten Vögel mit ihrem schlauen Verhalten im Ballett wieder finden, kann die Prämiere des Stücks am 16. September im englischen Plymouth besuchen.

Mark Hammer, science.ORF.at, 9.9.09

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