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RNA-Moleküle auf Gel, rot-grün-fluoreszierend

Die schönen Seiten der Lebenswissenschaften

Wenn Forscher und Forscherinnen der Life Sciences im Labor stehen, dann ist vieles oft Routine: pipettieren, Messgeräte bedienen, Statistiken auswerten. Die kreativen Momente, die wie einst bei Wickie die Funken sprühen lassen, sind vergleichsweise rar gesät. Dennoch: "Forschen ist Kunst" lautet das Motto der European Researchers' Night, die heute Abend im Wiener Biocenter stattfindet.

Forschen ist Kunst 25.09.2009

Ihre Kreativität unter Beweis stellen werden dabei u.a. die beiden Biologen Josef Penninger und Fatima Ferreira, die Wissenschaftler des Jahres 2003 bzw. 2008, indem sie Forschungsgebiete malerisch zum Ausdruck bringen.

"Dance your PhD" brachte den Molekularbiologen 2008 in Wien sogar einen Artikel im renommierten "Science"-Magazin ein. Josef Penninger hat seine Arbeit "Analysis of thymic nurse cells in the chicken" damals getanzt, nun will er sie im Rahmen der European Researchers' Night am Campus Vienna Biocenter malen. Das Motto in Wien lautet "Forschen ist Kunst".

Vorbild für "Paint your PhD" ist "Dance your PhD" - eine Veranstaltung, die im Vorjahr am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) die Tanzbeine von zahlreichen Forschern und Forscherinnen zum Schwingen brachte.

Gezeichnet, gemalt und fotografiert wurde aber schon im Vorfeld der European Researchers' Night. In mehreren Kategorien hat eine Fachjury dabei die besten Bilder von Forschern und Forscherinnen des Campus Vienna Biocenter ausgezeichnet.

Sonne wie HI-Virus

Aquarell "Sonnuntergang": zeigt nicht nur selibgen an, sondern steht auch für einen HI-Virus, der Leukozyten befällt.

Cornelia Heine

Cornelia Heine: Sonnuntergang (im Original vier Bilder horizontal)

Eine der Preisträgerinnen ist Cornelia Heine, ausgebildete Neurowissenschaftlerin und mittlerweile selbständige Grafikerin einer Werbeagentur. Die "zwei Seelen in ihrer Brust" hat sie für den Wettbewerb in ein Aquarellgemälde gepackt. "Sonnuntergang" stellt auf doppeldeutige Weise einen HI-Virus dar.

"Der blutrote Virus befällt ein weißes Blutkörperchen. Zur gleichen Zeit ist es aber auch eine Abendsonne, die am Horizont untergeht. Dank der Forschung bedeutet die Infektion mit einem HI-Virus aber heute nicht mehr den unmittelbaren Sonnenuntergang für die Betroffenen, die Sonne geht für sie dank der Therapiemöglichkeiten noch immer wieder auf", erklärt Heine gegenüber science.ORF.at.

Antlitz: Vertraut und doch unscharf

Portraitfoto von 30 Menschen übereinandergelagert

Walter Lunzer

Walter Lunzer: One Friend

Walter Lunzer, Assistent für Entwurfsunterricht an der Universität für angewandte Kunst in Wien, hat mit seinem Bild "One Friend" in der Kategorie Fotografie gewonnen. Dabei hat er Porträtaufnahmen von 30 Menschen ähnlich wie bei den neuen biometrischen Reisepässen gemacht und per Software übereinander gelagert. Bei den Personen handelte es sich um den Freundes- und Verwandtenkreis einer Bekannten von Lunzer, vom dreijährigen Kind bis zur 75-jährigen Frau war die Spannweite sehr groß.

"Mich hat vor allem die Frage interessiert, ob zum Schluss ein vertrauensvolles Gesicht herauskommt - was man ja eigentlich erwarten dürfte, wenn man den Querschnitt von Freunden und Verwandten abbildet", so Lunzer zu science.ORF.at. "Dennoch haben sich zum Schluss unscharfe Ränder ergeben, das Ganze hat etwas Geisterhaftes."

Und das habe wiederum etwas mit der Wissenschaft zu tun. Auch hier überlagern sich Ebenen, an deren Rändern Unschärfen entstehen - "mit diesen Unschärfen und Unsicherheiten muss die Wissenschaft umgehen", so Lunzer.

Fluoreszierende Moleküle

RNA-Moleküle auf Gel, rot-grün-fluoreszierend

Martina Dötsch

Martina Dötsch: Multi Color Impression

Martina Dötsch, Doktoratsstudentin der Molekularbiologie der Max Perutz Laboratories/Gruppe Schröder, hat in der Kategorie der wissenschaftlichen Abbildungen mit "Multi Color Impression" gewonnen. Ausgangsposition war ihre Hypothese, dass sich zwei Virusproteine unter bestimmten Umständen aneinander binden. Das tun sie nicht, wie sie sich im Labor eines Besseren belehren lassen musste.

Herausgekommen ist dennoch ein sehr farbenfrohes Bild. Dötsch hat dazu die RNA-Moleküle auf einem Gel aufgetragen und mit grün- bzw. rotfluoreszierenden Farbstoffen markiert. Ein Scanner regte die Fluoreszenz an, die Aufnahme wurden gemacht, passende Bildausschnitte vergrößert. Auch hier kommt es zu Überlagerungen der Farben und entsprechend reizvollen Effekten.

Kommentar der Jury: "Wissenschaftliche Bilder müssen stets aussagekräftig sein. Dieses Bild bricht mit dem Übereinkommen und stellt den ästhetischen Charme und die Intensität der Farben in den Vordergrund."

Transpiration und Inspiration

Preisträger von "Forschung ist Kunst"

science.ORF.at - Lukas Wieselberg

Die drei Preisträger mit ihren Werken

Sind Bilder wie dieses nun einer der seltenen Kreativitätshöhepunkte im Leben einer Forscherin? "Natürlich gibt es viele Routinearbeiten, etwa wenn man statistisch relevante Ergebnisse haben möchte, wiederholen sich die Arbeitsabläufe natürlich und es gibt Momente der Langeweile. Aber man muss als Forscherin auch kreativ sein, neue Experimente planen, Hypothesen aufstellen und entwickeln", beschreibt Dötsch ihren Alltag.

"Letztlich sind es, wie es so schön heißt, in der Forschung und in der Kunst 80 Prozent Transpiration und 20 Prozent Inspiration", so Walter Lunzer. Und die Inspiration kommt nicht selten aus der Natur selbst - die für viele selbst der größte Künstler ist. "Auf molekularer Ebene gibt’s so viele tolle Muster, die könnte kein Picasso malen", meint etwa Cornelia Heine.

Drei weitere ausgezeichnete Bilder

Samenkorn einer Ackerschmalwand hat die Form eines Herzens

Nina Riehs

"Pflanzenherz" von Nina Riehs zeigt ein heranreifendes Samenkorn in einer Schote der Ackerschmalwand. Der im kugelförmigen Nährgewebe eingebettete Embryo ist in diesem Entwicklungsstand herzförmig.

chloroplasts_around-nucleus

Fritz Kragler

"Chloroplasts around nucleus" von Fritz Kragler stellt den Einfluss von starken UV-Strahlen auf Pflanzengewebe dar. Die Chloroplasten (Zellorganellen in blau) gruppieren sich schützend um den Zellkern (grün).

Ackerschmalwand

Maria Kalyna

"Secondary Root" von Maria Kalyna zeigt die Bildung einer Seitenwurzel der Ackerschmalwand, einem Modellorganismus der Biologie.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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