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Kühe auf der Alm

Glückliche Kühe & kippsichere Schwangere

Warum kippen schwangere Frauen nicht um? Verursacht das Knacken der Fingergelenke Arthritis? Und wie kann man einen BH sinnvoll zweitverwerten? Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich die Ig-Nobelpreisträger 2009 in ihrer Forschungsarbeit beschäftigt haben.

Ig-Nobelpreise 2009 02.10.2009

Die Ig-Nobelpreise werden jährlich für Forschungsarbeiten vergeben, die Menschen zuerst zum Lachen bringen und erst danach zum Denken.

Wie jedes Jahr hat die renommierte Harvard University die etwas andere Auszeichnung für skurrile Wissenschaft verliehen. Die Preisträger wurden gestern bekannt gegeben, wie der "New Scientist" berichtete.

Risiko in allen Lebenslagen

Im Jahr der Wirtschaftskrise war das Motto für den seit 1991 verliehenen Preis das Risiko in allen Lebensbereichen. Etwas bösartig entfällt daher auch die Begründung für die wirtschaftliche Auszeichnung: Vier isländische Bankmanager konnten experimentell zeigen, wie Schwankungen des Finanzmarkts kleine Banken blitzschnell wachsen lassen, den Prozess aber ebenso zügig umdrehen können. Das Ergebnis: Eine komplette Volkswirtschaft ist ruiniert.

Eine andere Art Risiko inspirierte Elena Bodnar von der University of Chicago. Die gebürtige Ukrainerin erhielt den Preis für öffentliche Gesundheit für die Erfindung eines speziellen Büstenhalters. Im Fall eines atomaren Unfalls oder einer bioterroristischen Attacke lässt sich dieser im Handumdrehen in zwei Gasmasken verwandeln.

Bierflaschen als Waffen

Die Gewinner der Friedensauszeichnung rund um Stephan Bollinger von der Universität Bern haben sich experimentell mit dem Risiko befasst. In ihren Versuchen verglichen sie die Gefährlichkeit von leeren und vollen Bierflaschen. Die leeren entpuppten sich als deutlich gefährlichere Waffe (Journal of Forensic and Legal Medicine).

Auch beim Chemie-Preis war Alkohol im Spiel. Die mexikanischen Forscher entwickelten eine risikolose Anwendung aus Tequila, nämlich einen superrobusten Halbleiter (arXiv.org).

Kippsichere Schwangere

Der Physik-Preis beschäftigt sich mit einer Frage, die sich eigentlich nur Kinder stellen trauen: Warum kippen Schwangere nicht um? Bei vierbeinigen Säugetieren wird die Last zwischen Hinter- und Vorderbeinen balanciert, während der Bauch bei Menschen mit fortschreitender Schwangerschaft gefährlich hervorragt.

Die Erkenntnis der Forscher rund um die Anthropologin Katherine Whitcome von der University of Cincinnati (Nature): Frauen hätten eine ausgeprägtere Kurvenform im unteren Rücken. Daher können sie den oberen Teil des Rumpfs besser nach hinten schieben und finden auch mit Riesenbauch die richtige Balance.

Der Medizinpreis ging an den Allergologen Donald Unger, der eine ihm lang beschäftigende Frage für endgültig geklärt hält (Arthritis&Rheumatism): 60 Jahre lang ließ er zweimal am Tag die Fingergelenke seiner linken Hand knacken, aber nicht die der rechten. Bis heute hat er weder in der einen noch der anderen Arthritis entwickelt, wie ihm das seine Mutter als Kind prophezeit hatte.

Glückliche Kühe

Der Preis für Veterinärmedizin ging an die britischen Forscher rund um Catherine Douglas von der Newcastle University für die Entdeckung eines interessanten Geheimnisses der Milchproduktion. Bei der Befragung von 516 britischen Milchbauern stellten sie fest, dass jene Kühe, die regelmäßig mit ihrem Namen angesprochen wurden, deutlich mehr Milch gaben als die anonymen Tiere (Anthrozoos).

Die Kühe seien dadurch glücklicher und entspannter, das erhöht laut den Forschern indirekt den Milchfluss.

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