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Alfred Nobel, im Hintergrund ein Molekül.

Chemienobelpreis an drei Zellforscher

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an die US-Amerikaner Venkatraman Ramakrishnan und Thomas A. Steitz sowie die Israelin Ada E. Jonath. Sie werden für ihre Beiträge zur Erforschung der Ribosomen ausgezeichnet.

Nobelpreise 2009 07.10.2009

Ribosomen sind jene Bestandteile einer Zelle, in denen die genetische Information in Proteine übersetzt wird. Wie das Nobelpreiskomitee mitteilt, haben Ramakrishnan, Steitz und Yonath vor allem durch Röntgen-Kristallografie die Struktur und Funktion dieser Zellorganellen aufgeklärt. Ribosomen sind auch der primäre Ansatzpunkt vieler Antibiotika: Sie verhindern, dass Bakterien Proteine herstellen - und sich somit im Körper des Menschen vermehren können.

Der Nobelpreis ist auch heuer wieder mit umgerechnet knapp einer Million Euro dotiert und wird am 10. Dezember, am Todestag des 1896 gestorbenen Preisstifters, verliehen.

Der Code des Lebens

"Jonath hat ja zehn, 15 Jahre einsam vor sich hingearbeitet. Alle anderen waren sehr skeptisch, ob das jemals zu etwas führen würde. Dann sind mehrere Forscher wie Steitz und Ramakrishnan auf ihrem Feld mit eingestiegen und haben Ribosome studiert.

Steitz hat auf brillante Weise ein technisches Problem der Kristallografie gelöst und damit das Verständnis der Funktionsweise von Ribosomen vertieft.

Ramakrishnan hat dann erklärt, wie ein so komplexes System so völlig exakt funktionieren kann. Alle drei haben sehr fundamentale biologische Fragestellungen bewältigt und damit auch die Funktionsweise von Antibiotika erklärt."

Claes Gustafsson, Mitgiled des Nobelkomitees, gegenüber der dpa.

Die Chemie-Nobelpreisträger des jahres 2009: 
Venkatraman Ramakrishnan, Thomas Steitz,  Ada Jonath

EPA

V.l.n.r.: Venkatraman Ramakrishnan, Thomas Steitz, Ada Jonath

Die aus rund 3,2 Milliarden chemischen Bausteinen zusammengesetzte Erbinformation ist eng zusammengedrängt im Zellkern gelagert. Wenn eines der rund 25.000 Gene abgelesen wird, fertigt die Zelle zunächst eine Abschrift davon. Nur diese "Blaupause" verlässt den Zellkern. Außerhalb trifft sie auf die Proteinfabriken der Zelle, die Ribosomen.

Diese lesen die Bauanleitung wie einen Lochstreifen nach und nach ein und fügen daraufhin Stück für Stück das darin codierte Protein (Eiweiß) aus einzelnen Aminosäuren zusammen. Erst diese Proteine sind die universellen Werkzeuge des Lebens: Sie sind der Hauptbestandteil von Muskeln und anderen Organen, transportieren Sauerstoff, spalten die Nahrung auf, dienen als Botenstoffe und formen Haut und Haare.

Die Arbeitsgruppe um Steitz hat auf ihrer Website einige Filme veröffentlicht, die Ribosomen und andere Moleküle in Aktion zeigen:

Der in Indien geborene US-Bürger Ramakrishnan ist Gruppenleiter am Molekularbiologie-Labor des britischen Medical Research Council in Cambridge. Sein Landsmann Steitz arbeitet als Professor für molekulare Biophysik und Biochemie am Howard Hughes Medical Institute der Yale-Universität in den USA. Die Israelin Jonath (englische Schreibweise Yonath) ist Molekularbiologie-Professorin am Weizmann-Institut in Rehovot.

2008: Leuchtende Proteine

Im Vorjahr ging der Nobelpreis für Chemie zu je einem Drittel an in den USA tätige Forscher: den organischen Chemiker Osamu Shimomura, den Neurobiologen Martin Chalfie und den Physiologen Roger Y. Tsien.

Sie erhielten die Auszeichnung "für die Entdeckung und die Nutzbarmachung des grün fluoreszierenden Proteins, GFP", das unter Anregung mit blauem oder UV-Licht grün fluoresziert.

Am Donnerstag wird noch der Nobelpreise für Literatur vergeben, am Freitag folgt der Friedensnobelpreis.

science.ORF.at/APA

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