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Weltkugel umringt von Figuren im Kreis

Nobelpreis an Umweltökonomin

Der Nobelpreis für Wirtschaft geht dieses Jahr an zwei US-Forscher, die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom und den Wirtschafts-wissenschaftler Oliver E. Williamson, für ihre Arbeiten zu "Economic Governance". Mit Ostrom wird erstmals in der Geschichte des Wirtschaftsnobelpreises eine Frau ausgezeichnet.

Wirtschaft 12.10.2009

Gemeinschaftseigentum erfolgreich verwalten

Ostrom zählt zu den weltweit führenden Umweltökonomen. In der Begründung der Königlich-Schwedischen Wissenschaftsakademie hieß es, die 1933 geborene Ostrom habe gezeigt, "wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann".

Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom

EPA/National Academy of Sciences

Elinor Ostrom

Die Wissenschaftlerin geht dabei der Frage nach, wie öffentliche Güter - etwa Weideland und Fischgründe - durch Nutzergemeinschaften verwaltet werden können. Dabei widerlegte sie die gängige Theorie, wonach Gemeinschaftseigentum von den Nutzern ausgebeutet wird und deswegen entweder reguliert oder privatisiert werden sollte.

"Ostroms Arbeit lehrt uns Neues über die tiefen Zusammenhänge, die die Kooperation in der Gesellschaft am Leben erhalten", so das Nobelkomitee. Ostrom lehrt derzeit Politikwissenschaft an der Universität von Indiana in Bloomington.

Modelle der Konfliktlösung

Über den ein Jahr älteren Williamson hieß es, er habe Modelle zur Konfliktlösung mit Hilfe von Unternehmensstrukturen entwickelt.

Er beschäftigt sich mit der Frage, warum manche Geschäfte innerhalb von Unternehmen abgeschlossen werden und nicht auf dem Markt. Dabei geht es ihm um Abhängigkeiten und die Kosten der Konfliktlösung: Je stärker die Abhängigkeit zweier Parteien ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich in einer Institution zusammenschließen. Nach seiner Theorie existieren große Unternehmen deswegen, weil sie effizient sind, und hören auf zu existieren, wenn sie diese Effizienzgewinne nicht liefern.

Nobelpreisträger Williamson

EPA/UOC

Oliver E. Williamson

Die beiden diesjährigen Preisträger teilen sich die Dotierung von umgerechnet knapp einer Million Euro. Ostrom sagte telefonisch, sie sei "noch völlig schockiert" über die Zuerkennung des Nobelpreises. Ihre Forschungsergebnisse halte sie weiter für aktuell, auch bei der Bewältigung der globalen Klimakrise.

Umstrittener Preis

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gilt als umstritten, denn er wurde erst 1968 von der Schwedischen Reichsbank zu ihrem 300-jährigen Bestehen ins Leben gerufen und wird seit 1969 verliehen. Sein eigentlicher Name lautet "Sveriges Riksbank Prize in Economic Sciences in Memory of Alfred Nobel".

Im Vorjahr wurde die Auszeichnung an den US-Handelstheoretiker Paul Krugman überreicht. Krugman hatte sich als scharfer Kritiker der Wirtschaftspolitik des damaligen US-Präsidenten George W. Bush profiliert und wurde für seine Beiträge zur Theorie des Außenhandels und zur Wirtschaftsgeografie ausgezeichnet.

Bereits letzte Woche wurden die Preise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden verliehen.

science.ORF.at/APA

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