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Darwinfink auf den Galapagosinseln

Neue Darwinfinkenart ist im Entstehen

Wo sich Charles Darwin zu seiner Evolutionstheorie inspirieren ließ, sitzt seit fast 40 Jahren ein britisches Biologenpaar: Auf den Galapagosinseln verfolgen sie das Schicksal der ansässigen Finken - jetzt dürften sie der Evolution buchstäblich "bei der Arbeit" zugesehen haben.

Evolution in Action 17.11.2009

Ein Leben für die Finken

Die Studie The secondary contact phase of allopatric speciation in Darwin's finches ist im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen.

Die Evolutionsbiologen Peter Grant und seine Frau Rosemary von der Princeton University haben ihr Leben der Erforschung der Darwinfinken auf den Galapagosinseln gewidmet. Die Vögel verdanken ihren Namen einer Vermutung Charles Darwins, die er im Zuge seiner von 1831 bis 1836 dauernden naturkundlichen Studienreise auf dem Forschungsschiff Beagle entwickelt hat.

Damals fiel Darwin auf, dass die 14 auf den Inseln beheimateten Singvogelarten einander sehr ähnlich sind, sich jedoch in charakteristischen Merkmalen unterschieden. Darwin schloss daraus, dass die unterschiedlichen Spezies von einer Grundart abstammen und sich erst im Lauf der Evolution auseinanderentwickelt haben.

Etwas dicker, anderer Schnabel, anderer Song

Vor kurzem wurden die Grants für ihr Lebenswerk mit dem mit 500.000 US-Dollar dotieren Kyoto-Preis 2009 ausgezeichnet.

Darwinfinken auf den Galapagosinseln

Grant/PNAS

Links einer der eingewanderten "5110"-Nachkommen, rechts ein Ureinwohner

Erste Anzeichen für die Entstehung einer neuen Art von Darwinfinken hat nun das Ehepaar Grant vorgelegt. 1981 haben die Biologen auf Daphne Major, eine der Vulkaninseln, einen Finken entdeckt, der mit knapp 30 Gramm deutlich schwerer war als die anderen Vögel der Insel.

Sie markierten ihn, bezeichneten ihn als "5110" und verfolgten dann das Schicksal seiner Nachkommen über sieben Generationen. Bei ihnen zeigte sich im Vergleich zu den anderen Vögeln eine Reihe von Unterschieden, etwa was die Schnabelform und ihren Gesang betrifft.

In der vierten Generation war Daphne Major von einer Dürreperiode betroffen, sodass fast alle Nachkommen von "5110" starben - nur ein einziges Geschwisterpaar überlebte. Von diesem Moment an paarten sich die "5110"-Vögel nur noch untereinander - der mögliche Beginn einer neuen Artentstehung.

Beispiel für Sekundärkontakt

Uni Graz feiert Darwin
Am 24. November 1859 veröffentlichte Charles Darwin sein Werk "Die Entstehung der Arten durch natürliche Selektion" und begründete damit die Evolutionstheorie. Aus diesem Anlass veranstaltet die Uni Graz zum Jubiläumstag ein Darwin-Gedenk-Symposium.

Das, worum es sich auf jeden Fall gehandelt hat, wird in der Biologie als "Sekundärkontakt" bezeichnet: das Aufeinandertreffen von Populationen der gleichen Art, die über einen längeren Zeitraum getrennt waren und sich dabei anders entwickelt haben. "Die Phase von Sekundärkontakten ist ein stark diskutiertes Gedankenexperiment", meint der Biologe und Darwinfinken-Spezialist Jeff Podos von der University of Massachussetts gegenüber "Nature News".

"Wirklich bedeutend an der Studie von den Grants ist, dass sie unter natürlichen Umständen Ankunft und Schicksal eines Sekundärkontakts von zuvor getrennten Abstammungslinien dokumentiert." Und dies sei einigermaßen bemerkenswert.

science.ORF.at

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