Standort: science.ORF.at / Meldung: "Leben in ewiger Finsternis"

Mollusk in der Tiefsee

Leben in ewiger Finsternis

"Census of Marine Life" (CoML) ist eine Art Volkszählung in den Weltmeeren, die immer wieder erstaunliche Lebewesen zutage fördert. Nun präsentieren Forscher bislang unbekannte Kreaturen aus der Tiefsee.

Tiefsee 23.11.2009

Jenseits des Sonnenlichts

Im Jahr 2000 hat das globale Forschungsprojekt CoML begonnen, für 2010 ist der Endbericht zur marinen Artenvielfalt vorgesehen. Doch die Forscher aus 80 Nationen geben auch jetzt schon regelmäßig Einblick in ihre Arbeit, wobei das durchaus im engeren Wortsinn zu verstehen ist: Denn Fotos spielen bei der Präsentation dieser Form von Meeresforschung eine zentrale Rolle. Mittlerweile bilanziert CoML mit 17.650 neu entdeckten Spezies, ein aktueller Zwischenbericht zeigt nun Tierarten, die aus der Tiefsee stammen.

Wie die Forscher schreiben, haben sich die bis zu 5.000 Meter unter dem Meeresspiegel lebenden Tiere radikal an die Bedingungen ihres stockfinsteren Lebensraumes angepasst. Sie ernähren sich etwa von abgesunkenem Kot, von Knochen und Kadavern aus höher gelegenen Wasserschichten oder von Bakterien, die Öle, Schwefel und Methan als Energielieferanten verwenden. Im Folgenden ein paar Neuankömmlinge im Artenregister.

Krebse, Weichtiere, Stachelhäuter

Fisch der Gattung Neocyema.

David Shale

In 2.000 bis 2.500 Metern Tiefe lebt dieser pfeilförmige orangefarbige Fisch, der zur Gattung Neocyema gehört. Er wurde im Bereich des Mittelatlantischen Rückens gefunden.

Ruderfußkrebs.

Bünzow/Corgosinho

Dieses kleine Krebstier wurde in der atlantischen Tiefsee entdeckt, gehört zur Gruppe der Ruderfußkrebse, auch bekannt als "Copepoden".

Weichtier, Gattung Grimpoteuthis.

David Shale

"Dumbos" nennen Meeresforscher solche Weichtiere wegen ihrer elefantiösen Körperanhänge. Dabei handelt es sich freilich nicht um Ohren, sondern um Flossen, die der Fortbewegung dienen. Obiges Exemplar gehört zu den Cirrentragenden Kraken, Gattung Grimpoteuthis, und lebt in der Region des Mittelatlantischen Rückens.

Transparente Seegurke, Gattung Enypniastes.

Larry Madin, Woods Hole Oceanographic Institution

In 2.750 Metern Tiefe im Golf von Mexiko wurde dieses bizarre Wesen entdeckt. Es handelt sich um eine transparente Seegurke, Gattung Enypniastes, die sich mit Hilfe ihrer zahlreichen Tentakeln recht gemächlich vorwärtsbewegt. Diensttempo: rund zwei Zentimeter pro Minute. Lieblingsbeschäftigung: Konsum Detritus-reicher Sedimente.

Robert Czepel, science.ORF.at

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