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Ein dreckiges Schwein

Schmutzige Schweine sind gesünder

Dass zu viel Hygiene schlecht für das Immunsystem ist und somit Krankheiten fördert, ist seit längerem bekannt. Den Zusammenhang haben Forscher an Schweinen nun empirisch untersucht: Dreckige Artgenossen haben demzufolge mehr gutartige Bakterien im Magen, die das Immunsystem stärken.

Zoologie 30.11.2009

Sie reduzieren auch die Wahrscheinlichkeit, später im Leben an Allergien und anderen Autoimmunerkrankungen zu leiden, berichten Denise Kelly von der Universität Aberdeen und Kollegen in ihrer Studie.

54 Ferkel für den Fortschritt geschlachtet

Für ihre Untersuchung verwendeten die Forscher 54 Ferkel, die sie in drei Gruppen einteilten: eine hielt sich unter "normal schweinischen" Bedingungen im Freien auf, eine wurde unter hygienischen Indoor-Bedingungen gehalten, die dritte ebenfalls, ihre Mitglieder wurden aber zusätzlich täglich mit Antibiotika gefüttert. An drei Stichtagen - nach fünf, 28 bzw. 56 Tagen - wurden einige von ihnen geschlachtet; ihr Darmgewebe bzw. ihr Kot wurde dann von den Forschern untersucht.

Bei den Outdoor-Schweinen stammten demzufolge 94 Prozent der Bakterien in ihren Gedärmen aus dem Stamm der Firmicutes, zu denen hauptsächlich die Laktobakterien zählen. Sie gelten als "gute Bakterien", die für eine gesunde Verdauung sorgen und gegen Krankheitserreger wie z.B. Salmonellen vorgehen. Bei den Indoor-Schweinen stammten nur zwei Drittel vom Stamm der Firmicutes, bei jenen mit Antibiotika-Zugabe war es sogar nur etwas mehr als die Hälfte.

Unterschiedliche Genexpression

In einem zweiten Schritt untersuchten die Forscher, wie sich die unterschiedliche Bakterienbevölkerung auf die Expression jener Gene auswirkte, die für das Immunsystem eine wichtige Rolle spielen. Während es bei den schmutzigen Schweinen eher Gene von T-Zellen waren, die der Immunabwehr dienen, waren es bei den anderen mehr Gene, die bei Entzündungen und Autoimmunreaktionen wichtig sind.

"Bis jetzt hat es nur viel Hörensagen gegeben, wie Darmbakterien Immunfunktionen beeinflussen und damit auch zu Allergien und Krankheiten beitragen", meinte Denise Kelly gegenüber dem Online-Nachrichtendienst von "Nature". Nun aber sei der direkte Zusammenhang bewiesen worden.

Beweis für Hygiene-Hypothese

Ob die Ergebnisse auch für den Menschen zutreffen, ist noch unklar. Schweine seien in immunologischer Hinsicht aber ein guter Modellorganismus, meint Kelly.

Hintergrund ihrer Studie ist die sogenannte "Hygiene-Hypothese", der zufolge es auch ein "Zuviel an Sauberkeit" geben kann. Gerade in Industrieländern - mit hohem Hygiene-Standard - treten immer häufiger allergische Reaktionen auf. Die Menschen leben "zu sauber".

Vor allem der geringe Kontakt mit Bakterien und Parasiten soll demnach das Immunsystem zu wenig fordern - eine vermehrte Bildung von Antikörpern auf bestimmte Substanzen sei dann die Folge.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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