Standort: science.ORF.at / Meldung: "Wachstum von Krebszellen "live" beobachtet"

Metastasenbildung im Gehirn

Wachstum von Krebszellen "live" beobachtet

Mit einer neuen Technik haben deutsche Forscher das Wachstum von der Krebszelle bis zum Gehirntumor in Echtzeit beobachten können.

Technologie 21.12.2009

"Wir hoffen nun, dass unsere Ergebnisse helfen, bereits vorhandene Krebstherapien zu optimieren und neue Wirkstoffe zu entwickeln, die gezielt auf bestimmte Stadien der Metastasenbildung Einfluss nehmen", so der Leiter der Forschergruppe von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Frank Winkler. Ein Viertel aller Krebspatienten entwickele demnach Metastasen im Gehirn - oft auch lange nach einer erfolgreichen Behandlung des Ursprungstumors.

Zwei-Photonen-Mikroskopie

Die Studie in "Nature Medicine": "Real-time imaging reveals the single steps of brain metastasis formation" von Yvonne Kienast et al.

Meist seien die Metastasen tödlich, nicht der Ursprungstumor. Gerade Metastasen im Gehirn, die häufig bei Lungen-, Brust- und Hautkrebs entstünden, seien kaum zu behandeln. Bislang war unbekannt, wie sie entstehen - auch wenn sie immer häufiger bei Krebspatienten auftreten.

Mit der neuartigen "Zwei-Photonen-Mikroskopie" sei es den Wissenschaftlern um Winkler gelungen, über Monate die Stadien der Metastasenbildung "live" mitzuverfolgen. Über zwei unterschiedliche Farbstoffe brachten sie Blutgefäße dazu grün zu leuchten, die - von den Forschern injizierten - Tumorzellen rot. So konnten auch tiefer liegende Regionen des lebenden Gehirns sichtbar gemacht werden.

Metastasenbildung in vier Schritten

Das Ergebnis: Gehirnmetastasen bilden sich in vier Schritten. Zuerst müssen die Tumorzellen im Blut an einer Gabelung im Adergeflecht hängen bleiben, teilten die Forscher mit. Danach müssten sie durch winzige Löcher in der Gefäßwand nach außen dringen, "um sich dann in einem dritten Schritt von außen an die Ader anzuheften." Dann können die Zellen bereits Mikrometastasen aus vier bis 50 Zellen bilden.

Gefährlich wird es beim vierten Schritt. Dann verschmelzen mehrere benachbarte Mikrometastasen und bilden neue Blutgefäße aus. "Diese sogenannte Angiogenese liefert der Geschwulst alle nötigen Nährstoffe und erlaubt so ein schnelles und ungebremstes Tumorwachstum." Bleibt einer dieser Schritte aus, landen die Krebszellen in der "Sackgasse" und die Metastasenbildung stockt.

science.ORF.at/APA/dpa