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Porträt von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart-Effekt bei Frühgeburten

Mozart hören ist nicht nur ein akustischer Genuss. Manche Forscher glauben, dass seine Musik das Gehirn zu besseren Leistungen anregt und auch therapeutisch wirken kann. Einen besonderen "Mozart-Effekt" haben nun israelische Mediziner beobachtet: Die Klänge des Wiener Klassikers helfen Frühgeburten beim Wachsen.

Medizin 08.01.2010

Die Studie "Effect of Music by Mozart on Energy Expenditure in Growing Preterm Infants" ist in der Fachzeitschrift "Pediatrics" erschienen.

Die "Frühchen" verbrauchen durch eine halbe Stunde Mozart pro Tag weniger Kalorien und gewinnen somit schneller an Gewicht, berichtet ein Team um Dror Mandel vom Tel Aviv Medical Center in einer Studie.

Warum das so ist, können die Forscher noch nicht sagen. "Mozart scheint die Babys aber tatsächlich zu beruhigen", berichtet Mandel in einer Aussendung.

Mozart-Effekt

Eine umstrittene, in "Nature" publizierte Studie aus dem Jahr 1993 eröffnete Mozart neue Hörerkreise: Forscher behaupteten damals, dass Mozart-Sonaten bei Probanden bessere Gehirnleistungen verursachen. Weitere Studien mit Resultaten pro und contra "Mozart-Effekt" wurden danach durchgeführt, Mozart nicht mehr nur aus Genuss, sondern auch wegen seiner therapeutischen Fähigkeiten gehört. Eines ist sicher: Webseiten wie jene des "Mozart Effect Resource Center" zeigen, welches Geschäft der Effekt mittlerweile geworden ist.

Geringerer Energieverbrauch

Für ihre Studie untersuchten die Mediziner die körperlichen Auswirkungen, die das Hören von Musik bei Babys erzeugen, die drei bis zehn Wochen vor ihrem errechneten Geburtstermin auf die Welt gekommen waren. Genauer gesagt wurden sie einmal pro Tag 30 Minuten lang den Klängen einer sogenannten "Baby-Mozart-CD" ausgesetzt. Darin enthalten sind säuglingstaugliche Stücke wie die Arie des Papageno aus der Zauberflöte und mehrere Klaviersonaten.

Vor und nach dem Musikgenuss maßen die Forscher den Energieverbrauch der Babys und verglichen ihn mit den Werten in ihren Ruhephasen. Es zeigte sich, dass sich Mozart positiv auf den Stoffwechsel auswirkt: Die Babys verbrauchten mit seiner Hilfe weniger Energie und nahmen damit in Folge auch schneller an Gewicht zu - das wichtigste Ziel bei der Betreuung von Frühgeburten.

In Zukunft auch mit Rapmusik

Eine genaue Erklärung für ihre Beobachtungen haben die Forscher nicht. Eine Ursache könnten aber die sich wiederholenden Melodien bei Mozart sein, die die Organisationszentren im Gehirn der Säuglinge stimulieren, mutmaßt Dror Mandel.

Bisher haben die Forscher ihre medizinisch-musikalischen Studien nur mit Mozart ausprobiert, Bach und Beethoven sollen folgen. Und auch vor zeitgenössischer Rapmusik wollen Mandel und Kollegen in Zukunft nicht zurückschrecken: Ihr repetitiver Charakter könne sich ähnlich positiv auswirken wie der Wiener Klassiker.

science.ORF.at

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