Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mädchen übernehmen Matheängste "

Mädchen in der Schulbank über einem aufgeschlagenen Buch

Mädchen übernehmen Matheängste

Volksschullehrerinnen, die selbst schwach in Mathematik sind, impfen ihren Schülerinnen die Angst vor dem Fach ein. Das haben US-Forscher bei einer Studie von 17 Lehrerinnen der ersten und zweiten Klassen nachgewiesen.

Schule 25.01.2010

Demnach reichte ein einziges Schuljahr unter dem Einfluss dieser Pädagoginnen, um Mädchen in der Klasse den Irrglauben zu vermitteln, dass sie von Natur aus schlechter im Rechnen und besser im Lesen seien.

Der Studie zufolge erbrachten Schülerinnen, die das stereotype Denken übernommen hatten, tatsächlich deutlich schwächere Leistungen in Mathe. Buben blieben von ihm unbeeinflusst.

Leistung fiel ab

Die Studie "Female Teachers' Math Anxiety Affects Girls' Math Achievement" von Sian L. Beilock et al. ist in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen.

Um zu testen, inwieweit sich die Ängste einer Lehrerin auf ihre Schülerinnen übertragen können, prüften die Forscher rund um Sian L. Beilock von der Universität von Chicago die Einstellung und Rechenkünste am Anfang und Ende des Schuljahrs.

Dabei kam heraus, dass Mädchen, die sich dem Vorurteil angeschlossen hatten, in Mathe auf einer Bewertungsskala sechs Punkte hinter ihren unbeeinflussten Klassenkameraden und -kameradinnen zurückblieben (102 zu 108 Punkte).

Angst vor Mathe

Das amerikanische Schulsystem unterscheidet sich vom österreichischen unter anderem darin, dass Lehrer ihre Klassen jeweils nur ein Jahr behalten.

Amerikanische Volksschullehrer seien zu etwa 90 Prozent weiblich und würden während des Studiums nur minimal auf Mathematik vorbereitet, erläuterte das Team um Beilock. Aus anderen Studien ist bekannt, dass angehende Volksschullehrerinnen mehr Angst vor Mathe haben als Studenten aller anderen Fachrichtungen.

Die Tatsache, dass das stereotype Denken nicht auf Buben abfärbte, erklären die Psychologen damit, dass Kinder in diesem Alter vor allem auf gleichgeschlechtliche Rollenmodelle fixiert sind.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: