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Schifahrer sitzt im Schnee am Berg, darüber strahlt die Sonne

Forscher erzeugen "grünen" Schnee

Wissenschaftler der Technischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur Wien haben eine Methode zur Erzeugung von naturidentem Schnee erfunden, die bisherige Nachteile von Kunstschnee vermeidet.

Technologie 29.01.2010

So erzeugt der "Dendrite Generator" Kunstschnee mit sehr geringer Dichte, der natürlichem, trockenen Schnee sehr ähnlich ist. Dabei wird gegenüber herkömmlichen Methoden der Energie- und Wasserbedarf deutlich reduziert, teilte die TU Wien in einer Aussendung mit.

Geringer Energieaufwand

Der "Dendrite Generator" wird am Montag im Rahmen der Feier zum fünfjährigen Bestehen des Kooperationszentrums "Technik.Tourismus.Landschaft" (TTL) der TU Wien präsentiert. Im TTL arbeiten Mitarbeiter verschiedener Institute von mehreren Fakultäten der TU Wien zusammen, sie beschäftigen sich disziplinübergreifend mit Themen der kombinierten Technologie- und Landschafts-entwicklung im touristischen Zusammenhang.

Bestehende Technologien zur künstlichen Erzeugung von Schnee benötigen viel Energie und Wasser. Zudem können laut TU aufgrund der Konsistenz von bisher produziertem Kunstschnee - im Prinzip nichts anderes als gefrorene Wassertropfen - ökologische Nachteile für Flora und Fauna auf Skipisten entstehen.

Bei der von ihnen entwickelten neuen Technologie sprechen die beiden Unis von einer "Revolution in der Beschneiungstechnik". Der geringe Energieaufwand und die spezielle Technik der Schneeerzeugung würde einen weitreichenden Einsatzbereich, auch außerhalb von Skipisten, ermöglichen. Zudem gebe es keine Lärmentwicklung.

Künstliche Wolke

Und so funktioniert die neue Technologie: Der Generator besteht aus einem Behälter, in dem Bedingungen simuliert werden, wie sie auch in der Atmosphäre bzw. in Wolken vorkommen. Die verschiedenen physikalischen Werte sind in dieser "künstlichen Wolke" kontrollierbar.

Dabei werden kalte und feuchte Luft im Behälter vermischt. Die entstehenden Eiskristalle wachsen durch die ständige Zufuhr von Feuchtigkeit und werden dabei in Schwebe gehalten. Auf diese Weise können aus den Eisteilchen Schneekristalle unterschiedlichster Art entstehen, wobei bevorzugter Weise verzweigte Formen erzeugt werden.

Geringe Dichte erleichtert Verteilung

Die fertigen Schneekristalle und Schneeflocken werden am oberen Ende des Behälters ausgeblasen und in die Umgebung verteilt. Durch die geringe Dichte des Schnees werden dafür laut TU keine aufwendigen und leistungsstarken Düsen bzw. Propeller mehr benötigt, um eine gleichmäßige Verteilung im Umkreis zu erreichen.

Seitens der Unis betont man, dass sich die neue Technologie nicht nur für die Beschneiung von Skipisten eignet, sondern auch für kleinflächige Beschneiungen in Wohnhausanlagen, Parks oder Schulen für Sport und Erholung und die Beeinflussung des lokalen Bio- und Mikroklimas. Die neue Technologie wurde von beiden Universitäten gemeinsam zum Patent angemeldet.

science.ORF.at/APA

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