Standort: science.ORF.at / Meldung: "Tutanchamun starb an Malaria"

Die Totenmaske des Tutanchamun.

Tutanchamun starb an Malaria

Über den Tod Tutanchamuns ist in den letzten Jahrzehnten viel spekuliert worden, eine DNA-Studie zeigte schließlich: Der legendäre Pharao starb höchstwahrscheinlich an Malaria, nachdem ihn eine chronische Knochenkrankheit geschwächt hatte.

Medizin 16.02.2010

Tutanchamun wurde mit zehn Jahren Pharao und regierte das Land neun Jahre lang. Mit 19 starb er. Zahllose Historiker und Altertumsforscher spekulierten über die Ursachen seines frühen Todes, selbstverständlich fehlte im bunten Strauß der Hypothesen auch die Mordthese nicht, vertreten etwa vom US-Ägyptologen Bob Brier. Auch Mediziner beteiligten sich an Spekulationen über etwaige Todesursachen, als da wären: Sturz vom Streitwagen, Schlag auf den Kopf durch ein Pferd, Fettembolie infolge einer Knochenfraktur, Vergiftung.

Darüber hinaus gab die auffällig androgyne Darstellung Tutanchamuns auf Bildern und Artefakten Anlass zum heiteren Syndromeraten. In der Fachliteratur wurden ihm bereits alle möglichen Krankheiten zugeschrieben, darunter etwa das Marfan-, das Wilson-Turner-, das Fröhlich-, das Klinefelter- und das Antley-Bixler-Syndrom. Und: Gynäkomastie, die Ausbildung eines männlichen Brustansatzes infolge einer gestörten Hormonbalance.

Mumien-DNA bringt Klarheit

Die Studie "Ancestry and Pathology in King Tutankhamun’s Family" erschien im Fachblatt "JAMA" (Bd. 303, S. 638). Der US-Medizinhistoriker Howard Mankel veröffentlichte auf Seite 667 auch einen Begleitartikel: "King Tutankhamun, Modern Medical Science, and the Expanding Boundaries of Historical Inquiry"

Ein Team um Carsten M. Pusch von der Uni Tübingen beendete derlei "Lehnstuhlpathologien" (Copyright: Howard Mankel) und setzte ihnen Fakten aus dem vergleichsweise neuen Fach "Molekulare Ägyptologie" entgegen. Pusch und seine Kollegen nahmen an insgesamt 16 ägyptischen Mumien DNA-Proben, elf stammten wie Tutanchamun aus dem sogenannten Neuen Reich, der bekanntesten Epoche der Pharaonenzeit, die übrigen dienten als Kontrollgruppe.

Resultat der Analysen: Der altägyptische König litt an einer Knochenkrankheit, vermutlich an einer Knochennekrose namens Morbus Köhler II. Und er hatte offenbar auch Malaria, wie Genfunde im Mumiengewebe zeigen. Pusch und sein Team fanden nämlich auch auffällig viele Erbfaktoren des Malariaerregers Plasmodium falciparum. Die beiden Krankheiten seien, eventuell in Kombination mit einem Knochenbruch, für den frühen Tod von Tutanchamun verantwortlich, schrieben die Forscher in ihrer Studie - und klärten neben dem Ableben des berühmten Pharaos auch gleich seine Familienverhältnisse.

"Kein besonders feminines Äußeres"

Als Vater wurde Pharao Echnaton identifiziert, als seine Mutter eine Mumie mit dem Namen "KV35 younger lady". Ob es sich dabei um Kija handelt, die Nebenfrau von Echnaton, ist wahrscheinlich, aber offenbar nicht sicher. Fakt ist: Die Eltern von Tutanchamun waren Geschwister. Auch die nächste Generation ist im Stammbaum nun genetisch festgeschrieben, Amenophis III. war sein Großvater, Teje seine Großmutter.

DNA-Hinweise auf Chromosomen- und/oder Hormonstörungen, die das weibliche Erscheinungsbild Tutanchamuns und seiner männlichen Verwandten auf entsprechenden Bildern physiologisch erklären könnten, fanden die Forscher indes nicht. Bei den Zeichnungen handelte es sich daher "um einen von den Herrschern dekretierten Kunststil, der mit den religiösen Reformen von Echnaton zusammenhängen dürfte. Dass Tutanchamun und Echnaton ein besonders feminines Äußeres hatten, ist unwahrscheinlich", schrieben die Forscher: "Die ägyptischen Könige dieser Zeit ließen sich eben idealisiert darstellen."

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