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Radiologische Spurensuche

Grazer Forensiker gehen neue Forschungswege, um künftig Gewalttäter leichter zu überführen: Es will moderne bildgebende Verfahren für die exakte Beweissicherung nach Gewalttaten anwendbar machen.

Forensik 17.02.2010

Zurzeit sucht das Grazer Ludwig Boltzmann Institut für klinisch-forensische Bildgebung (LBI-CFI) für eine Studie zur Untersuchung der Lebensgefahr nach Strangulation Personen, die akut unter Erkältungsbeschwerden leiden.

Objektive Erfassung innerer Verletzungen

Kontakt: Interessenten bzw. Probanden für die Studie zu Erkältungsbeschwerden erhalten telefonische Informationen unter 0664/ 843 8241

"Viele Verletzungen nach Gewalttaten sind äußerlich nicht sichtbar", schilderte die Gerichtsmedizinerin und Leiterin des Grazer Instituts, Kathrin Yen, im APA-Gespräch. Obwohl DNA-Tests und chemisch-toxikologische Untersuchungen heute zum Standard der gerichtsmedizinischen Arbeit gehören, sind radiologische Verfahren wie Computer- und Magnetresonanztomographie kaum etabliert.

Aus Yens Sicht können sie jedoch eine objektive Erfassung innerer Verletzungen und damit letztlich mehr Rechtssicherheit für die Betroffenen - etwa Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt - bringen.

Der Vorteil solcher Methoden zeige sich beispielsweise bei Personen, die gewürgt wurden: Momentan werde die Art und der Grad der ausgeübten Gewalt überwiegend anhand von äußeren Spuren - beispielsweise Stauungsblutungen vor allem in der Augenbindehaut - erhoben: "Treten solche Blutungen auf, kann man davon ausgehen, dass der Übergriff schwer war", so Yen. Dieses Symptom verschwinde allerdings rasch wieder und ist zudem für Ungeübte leicht zu übersehen.

Verlässliche Spurensicherung

Die aktuelle Studie beschäftigt sich mit der Bewertung von Strangulationsbefunden am Hals nach Würgen oder Drosseln. "Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie wollen wir zu einer objektiven Darstellung und erweiterten Klassifizierung der Verletzungen im Inneren des Halses kommen, um somit letztlich die rechtsmedizinische und juristisch entscheidende Frage nach der Lebensgefahr beantworten zu können", erläutert Yen. Um charakteristische Strangulations- von beispielsweise normalen Verkühlungsbefunden abzugrenzen, werden nun Probanden mit Erkältungsbeschwerden gesucht.

In Graz hat Yen seit der Gründung des interdisziplinär arbeitenden Instituts vor zwei Jahren u.a. die erste klinisch-forensische Ambulanz in Österreich ins Leben gerufen. Menschen, die Opfer von körperlicher Gewalt wurden, können sich an der Med-Uni Graz rund um die Uhr kostenlos untersuchen und ihre Verletzungen protokollieren sowie Spuren sichern lassen. Auf Wunsch vermitteln die Mitarbeiter die Opfer an Betreuungseinrichtungen weiter.

science.ORF.at/APA

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