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Porträt von Desmond Tutu

Erbgut von Desmond Tutu und !Gubi entziffert

Die Liste der Menschen mit komplett entziffertem Erbgut wird immer länger. Nun sind zwei illustre Namen dazugekommen: Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger und Erzbischof von Südafrika, sowie !Gubi, ein Jäger aus der Volksgruppe der Khoisan in Namibia.

Molekularbiologie 17.02.2010

Die Khoisan gelten als eine der ältesten und genetisch unterschiedlichsten Menschengruppen der Welt. Desmond Tutu ist Angehöriger des Volksstamms der Bantu.

Die Studie "Complete Khoisan and Bantu genomes from southern Africa" ist in "Nature" (Bd. 463, S. 943) erschienen.

Die Analyse des Erbguts von Tutu, !Gubi und von drei weiteren Khoisan soll das Verständnis menschlicher DNA insgesamt verbessern, die Frage nach der Herkunft des modernen Menschen in Afrika genauer beantworten und auch bessere medizinische Lösungen für heutige Afrikaner bringen. Das hofft zumindest die internationale Forschergruppe, die soeben eine entsprechende Studie präsentiert hat.

Individuelle Unterschiede größer als kontinentale

Vier Vertreter der Khoisan in Namibia

Stephan C. Schuster

Vier Vertreter der Khoisan in Namibia

Die Forscher untersuchten unter anderem Unterschiede zwischen den Genomen. Dabei stellte sich heraus, dass die Differenzen innerhalb der Afrikaner im Durchschnitt größer sind als zum Beispiel zwischen einem Europäer und einem Asiaten, erklärte Stephen C. Schuster von der federführenden Penn State University. Die Studie könnte ein neues Licht auf die frühe Entwicklung der Menschheit werfen, schreiben die Forscher außerdem.

Für die zweijährige Arbeit wurden drei neue, besonders schnelle und günstige Sequenzierungsverfahren eingesetzt. Die genetischen Daten werden jeweils um eine ausführliche Krankengeschichte ergänzt. Diese sollen dabei helfen, die Funktion der Gene zu deuten.

Anfällig für Zivilisationskrankheiten

Zweite DNA von Nobelpreisträger

AP - Felipe Trueba

Nach dem DNA-Mitentdecker James Watson ist Desmond Tutu der zweite Nobelpreisträger, dessen Genom sequenziert wurde. Derzeit sind die Genome von rund 25 Menschen bekannt, nicht alle wurden aber in wissenschaftlichen Journalen publiziert.

Bereits in der nun vorliegenden Analyse zeigt sich, so ergänzt das Team, dass die umherziehenden Khoisan bei einer Änderung ihres Lebensstils für einige Krankheiten anfällig wären, die besonders sesshafte Menschen treffen. Dazu zählen die Folgen einer fettreichen Ernährung sowie Malaria.

Die DNA zeigte zudem, dass Tutu in direkter mütterlicher Linie von Buschmännern abstammt. Der Erzbischof wusste bisher nichts davon, sagte nun aber: "Ich bin ein wahres Kind Südafrikas. Darüber bin ich sehr glücklich". Tutu hatte 1984 für seine versöhnende Rolle bei der Überwindung der Rassentrennung in Südafrika den Friedensnobelpreis erhalten.

Gene spiegeln Lebensstil wider

Bei der Erbgut-Entzifferung entdeckten die Forscher 1,3 Millionen Genvarianten, die bisher noch nicht in menschlicher DNA beobachtet worden waren. Die südafrikanischen Bewohner unterscheiden sich somit genetisch deutlich von Europäern, Asiaten und Westafrikanern.

Einige der DNA-Variationen spiegeln den harten Lebensstil in der Kalahariwüste wieder. Ein Gen dürfte die Fähigkeit fördern, schnell zu laufen, ein anderes, den Geschmack von Bitterkeit besser zu verspüren - was beim Erkennen giftiger Pflanzen von Vorteil ist.

Die Forscher üben sich aber in Vorsicht. Aus der nun analysierten Menge an Erbgut können noch nicht auf den Rest der Bevölkerung geschlossen werden. Die mittlerweile zur Verfügung stehenden Methoden seien aber billiger und schneller als je zuvor, womit weiteren DNA-Entzifferungen auch in Afrika nichts im Wege steht.

science.ORF.at/dpa

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