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Handabdruck auf blauem Hintergrund

Von Bakterien entlarvt

Ein neues Instrument der Spurensicherung könnte künftig die Arbeit von Gerichtsmedizinern erleichtern: der bakterielle Handabdruck. Forscher konnten nämlich zeigen, dass sich Menschen durch Bakterienreste unterscheiden, die sie auf Gegenständen hinterlassen.

Forensik 16.03.2010

Buntes Bakterienvolk

Die menschliche Haut beherbergt unzählige Bakterien. Bei jeglichem Kontakt mit Menschen und Gegenständen lassen wir einige davon zurück. Unter anderem ein Grund dafür, warum Ärzte ausreichendes Händewaschen empfehlen, um Infektionsrisiken zu minimieren. Diese Mikroorganismen sind laut den Forschern rund um Noah Fierer von der University of Colorado außerdem erstaunlich resistent gegenüber Feuchtigkeit, Hitze oder UV-Strahlung, das heißt die Spuren bleiben auch über längere Zeiträume intakt.

Die bakteriellen Kulturen auf unserer Haut sind zudem außergewöhnlich divers. Forscher derselben Arbeitsgruppe haben erst vergangenes Jahr eine Art mikrobiologische Landkarte der menschlichen Haut vom Scheitel bis zur Sohle erstellt. Diese zeigt, dass die Unterschiede zwischen Menschen an bestimmten Körperstellen extrem hoch sein können.

Schon vor zwei Jahren hatte das Team rund um Fierer im Rahmen einer Studie festgestellt, dass die Handflächen zweier beliebiger Menschen nur 13 Prozent der Mikroorganismen teilen. Insgesamt hatten die Forscher damals bei 51 Versuchsteilnehmern 4.700 Bakterien entdeckt, wobei lediglich fünf Arten bei allen vorkamen. Im Durchschnitt leben etwa 150 verschiedene Bakterien auf einer Hand. Die Untersuchung hatte auch ergeben, dass diese individuellen bakteriellen Lebensgemeinschaften recht stabil sind, nur kurze Zeit nach dem Händewaschen waren sie meist völlig wiederhergestellt.

Einzigartige Bakterienspur

Die Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" "Forensic identification using skin bacterial communities" von Noah Fierer et al.

"Offenbar hinterlässt jeder von uns einen einzigartigen Bakterienmix, wenn wir uns durch den Alltag bewegen", so Fierer. Wenn das stimmt, könnte man diesen bakteriellen "Fingerabdruck" zur forensischen Identifikation von Individuen nutzen, mutmaßten die Forscher.

Um das zu überprüfen, haben sie im Rahmen ihrer aktuellen Studie zuerst bakterielle DNA von drei verschiedenen Computertastaturen sequenziert und ihre Gemeinsamkeiten mit den Handbakterien der drei Besitzer festgestellt. Möglich ist das durch neue Hochleistungssequenzierungsmaschinen, die bis zu 450 Proben gleichzeitig erfassen können. Diese Abstriche haben sie dann mit jenen von weiteren Tastaturen verglichen, die die drei Personen nie berührt hatten. Hier gab es kaum Übereinstimmungen.

In einem zweiten Test sequenzierten sie die Bakterien auf neun Computermäusen, die seit über zwölf Stunden nicht berührt worden waren. Dann verglichen sie diese sowie die Handbakterien der neun Benutzer mit 270 zufällig ausgewählten Samples von Handbakterien, die niemals mit der Maus in Kontakt waren. In allen Fällen waren die Bakterienkulturen auf den Mäusen jener der Besitzer viel ähnlicher. Die Treffsicherheit beträgt laut den Forschern beim derzeitigen Stand der Technik zwischen 70 und 90 Prozent.

Um festzustellen, wie haltbar diese individuellen Bakterienabdrücke sind, nahmen die Wissenschaftler weitere Hautproben von zwei Personen. Eine davon kühlten sie auf minus 20 Grad Celsius, die andere ließen sie bei Raumtemperatur. Letztere war auch noch zwei Wochen später weitgehend unverändert.

Ausreichend Beweismaterial

Für die Wissenschaftler wäre die neue Methode auch aus anderen Gründen interessant für Forensik-Experten: Oft ist es schwierig, ausreichend menschliche DNA aus Blutspuren oder Gewebsresten zu extrahieren. Angesichts der Fülle an Hautbakterien, sollte es deutlich einfacher sein, bakterielle DNA von Gegenständen zu gewinnen. So hätte man noch eine zusätzliche Möglichkeit der Beweisführung.

Noch müsse man herausfinden, wie gut diese bakteriellen Spuren auf unterschiedlichen Materialien haften. Aber vermutlich ließe sich die neue Technik auch dort anwenden, wo klare Fingerabdrücke aufgrund der Oberfläche oft schwer abzunehmen sind. Man könnte sogar unterscheiden, wenn Objekte von eineiigen Zwillingen berührt worden wären. Denn diese wären zwar genetisch ident, die Bakterienbesiedlung ihrer Handflächen sei aber genauso unterschiedlich.

Natürlich bringt die Methode auch ethische Überlegungen mit sich. "Die Verwendung menschlicher DNA und von Fingerabdrücken ist gesetzlich reguliert, da sich Personen damit eindeutig identifizieren lassen", so Fierer. Für die Nutzung von den Menschen besiedelnden Bakterien gebe es bis jetzt noch keinerlei Einschränkung.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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