Standort: science.ORF.at / Meldung: "Babys erkennen Gefühle an Sprachmelodie"

Ein Baby mit offenen augen liegt am Rücken und nuckelt an einer Trinkflasche.

Babys erkennen Gefühle an Sprachmelodie

Kleinkinder können sehr früh Emotionen am Klang von Stimmen erkennen: Die Spezialisierung entsprechender Hirnregionen setzt bereits im Alter von etwa sieben Monaten ein, wie eine Studie zeigt.

Neurologie 25.03.2010

Selektion im Hirn

Die Studie "The Developmental Origins of Voice Processing in the Human Brain" ist im Fachblatt "Neuron" (Bd. 65, S. 852) erschienen.

Von Studien mit Erwachsenen ist bekannt, dass bestimmte Regionen im Hörzentrum auf die Verarbeitung von Stimmen und deren emotionalem Ausdruck spezialisiert sind. Je nach Unterton gibt es eine spezifische Verarbeitung. Das Hirn selektiert sogar so weit, dass Signale, die Gefahr bedeuten, vorrangig verarbeitet werden.

Forscher um Angela Friederici vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig gingen nun der Frage nach, wann und wie sich dieser Bereich des Gehirns entwickelt. Die Reaktion vier bis sieben Monate alter Babys auf Stimmen, Musik, Alltags-, Natur- und Tiergeräusche wurde getestet. Außerdem untersuchten die Forscher, wie sieben Monate alte Babys auf ausgedrückte Emotionen - fröhlich, wütend oder neutral - reagieren.

Mögliche Früherkennung von Autismus

Mit vier Monaten können Kinder demnach stimmliche von nichtstimmlichen Reizen noch nicht unterscheiden, mit sieben Monaten hingegen schon. Laut Analyse der Hirnaktivität sind sie in diesem Alter auch bereits imstande, Gefühle in der Sprachmelodie zu erkennen.

Bedeutsam könnten die Ergebnisse für das Verständnis von Autismus sein, schreiben die Forscher. In vorangegangenen Studien wiesen Neurobiologen eine gestörte Stimmenverarbeitung bei Erwachsenen mit Autismus nach. Nachdem sich die dafür verantwortlichen Regionen im Hörzentrum sehr zeitig spezialisieren, könnten auf Autismus hinweisende Störungen sehr früh entdeckt werden.

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