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Entziffert: Des Finken Zwitschergene

Mehr als 800 Gene sind beim Zebrafinken an der Entstehung seiner Gesangskünste beteiligt. Das komplexe Netzwerk an Erbinformationen werde beim Lernen und Singen der Lieder aktiviert.

Genetik 01.04.2010

Das berichtet ein internationales Forscherteam nach der Entzifferung des Singvogel-Genoms. Ihre Untersuchung könne auch beitragen, den Spracherwerb und Sprachstörungen wie das Stottern beim Menschen besser zu verstehen.

Das zweite Vogelgenom

Die Studie "The genome of a songbird" ist im Fachblatt "Nature" (Bd. 464, S. 757) erschienen.

Nach dem Huhn ist der Zebrafink erst der zweite Vogel, dessen Genom vollständig sequenziert wurde. Insgesamt sei das Genom beider Vögel, deren Entwicklungswege sich vor etwa 100 Millionen Jahren trennten, in Grundaufbau und Struktur recht ähnlich, schreiben die Forscher um Wesley Warren vom Genome Center der Washington University School of Medicine in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri). Häufig fanden die Forscher Neuordnungen des Erbguts innerhalb der Chromosomen; bestimmte Gene hatten sich zudem vermehrt oder im Vergleich zu anderen sehr schnell weiterentwickelt.

Viele der festgestellten Unterschiede hängen vermutlich mit der Evolution des Gesangs zusammen, schreiben die Forscher. Denn während Hühner lediglich glucksen und nicht über Laute kommunizieren, nutzten Zebrafinken als Singvögel das Zwitschern aktiv zur Kommunikation.

Regulatorische Gene für den Gesang

Allerdings singen bei den Zebrafinken nur die Männchen. Sie lernen die Lieder nach dem Schlüpfen von ihren Vätern. Ähnlich wie Menschenbabys "brabbeln" auch junge Vögel zunächst recht unstrukturierte Laute vor sich hin. Sobald sie aber einmal das Lied ihrer Familie gelernt haben, zwitschern sie es für den Rest ihres Lebens - und geben es an ihren eigenen Nachwuchs weiter. Neben den Menschen und den Singvögeln gibt es nur wenige Tierarten, die eine "Sprache" erlernen und damit kommunizieren.

Viele der nun gefundenen Gene gehören zum Erstaunen der Wissenschaftler nicht zu den sogenannten Protein-codierenden Genen, deren Information in der Zelle in ein Protein übersetzt wird. Stattdessen bildet ein Großteil der beteiligten Erbgutabschnitte kleine Moleküle, sogenannte nicht-codierende RNA. Diese übernehmen wichtige regulatorische Aufgaben, indem sie etwa die Aktivität anderer Gene herauf- oder herabsetzen.

Motoren der Evolution

Vor einigen Jahren hatten Wissenschafter noch angenommen, dass die nicht-codierenden Gene als "genetischer Müll" keine wichtigen Funktionen besitzen. Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass diese Bereiche bei zahlreichen Entwicklungsprozessen von Mensch und Tier eine wichtige Rolle spielen. Möglicherweise sind sie auch die treibende Kraft bei der Evolution des Vogelgesangs, schreiben die Forscher.

science.ORF:at/APA/dpa

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