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Ein Rabe reißt sein Maul auf.

Dohlen: "Raben mit Aufmerksamkeitsdefizit"

Die Intelligenz von Tieren hängt stark von ihrem sozialen Zusammenleben ab. Raben und Dohlen etwa sind zwar nahe verwandt, in ihrem Lernverhalten aber sehr unterschiedlich. Während Raben aufmerksamer sind, erweisen sich Dohlen als freigiebiger.

Verhaltensforschung 06.04.2010

Das zeigt eine Studie von Christine Schwab an der Konrad Lorenz Forschungsstelle (KLF) in Grünau (OÖ). Schwab arbeitete mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF bei KLF-Leiter Kurt Kotrschal an ihrer Doktorarbeit.

Kognitionsforschung heute unumstritten

Mit Vögeln Kognitionsstudien durchzuführen, ist heute selbstverständlich, wurde aber noch vor 20 Jahren "schief beäugt", erklärte Kotrschal. Damals habe man Vögeln nur Instinktleistungen zugestanden. Nicht zuletzt hätten Anatomen und neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung den Umschwung in der Meinung bewirkt. Heute ist weitgehend unbestritten, dass Vögel sogar zu sehr hohen Leistungen fähig sind, etwa "zu wissen, was ein anderer weiß", sagte der Forscher.

Dohlen sind Schwarmvögel und bleiben das während ihres ganzen Lebens. Bei Raben ist die Situation anders: Sie leben nur in jungen Jahren in Gruppen zusammen, werden im Alter von vier bis fünf Jahren allerdings territorial und bevorzugen eine Lebensweise in Paaren, erklärte Schwab.

Raben aufmerksamer, Dohlen spendabler

Bei den Experimenten zeigte sich, dass Raben generell länger aufmerksam sind. Sie schauen eher auf den Partner, wenn es etwas zu lernen gibt, und weniger auf andere Artgenossen. Dohlen wirken dagegen "wie Raben mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom", so Kotrschal. Sie lernen weniger vom eigenen Partner als von anderen Artgenossen. Was das Teilen von Futter angeht, so sind die Dohlen deutlich freigiebiger, speziell gegenüber dem Partner oder nahen Verwandten.

Raben dagegen schauen in erster Linie auf sich selbst und verstecken nicht selten auch Futter. Dabei achten sie sogar darauf, dass sie nicht beobachtet werden. Das heißt, "sie wissen, was ein anderer weiß oder nicht weiß", so die Interpretation.

Ein Sinn für Ungerechtigkeit

In ersten, noch nicht veröffentlichten Versuchen reagierten Dohlen auf bewusst ungerechte Behandlung, berichtete Schwab. Im Detail konnte ein Vogel durch Betätigen einer Apparatur für sich und gleichzeitig für ein anderes Tier Futter organisieren. Bekam die agierende Dohle beispielsweise ein Stück Käse - der sehr beliebt ist - und die andere eine weniger beliebte Karotte, so waren die Tiere bei Partnern und nahen Verwandten bereit, den Käse zu teilen.

Die Sache funktionierte vor allem bei den meist dominanteren Männchen, mit der Partnerin oder auch Brüdern wurde häufig geteilt. Fremde dagegen mussten sich mit der Karotte begnügen.

Für die Wissenschaftlerin auffallend ist jedenfalls, dass die Vögel sich über die ungleiche Situation im Klaren sind und unterschiedliches Verhalten an den Tag legen.

science.ORF.at/APA

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