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Planet Venus

Vulkane auf der Venus

Aktuelle Infrarot-Messungen der ESA-Raumsonde "Venus Express" zeigen: Auf dem Nachbarplaneten Venus könnte es aktive Vulkane geben.

Planeten 09.04.2010

"Ziemlich sicher vulkanisch aktiv"

Es gebe deutliche Hinweise auf Vulkanausbrüche in jüngster Zeit, sagte Sue Smrekar vom Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde NASA. Sie und ihre Kollegen fanden laut einer Mitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf dem Nachbarplaneten neun "Hotspots", Gebiete mit einer aktiven großen unterirdischen Magma-Kammer, die nach der Auswertung der Daten sehr wahrscheinlich vulkanisch aktiv sind.

Zur Studie:
Recent Hot-Spot Volcanism on Venus from VIRTIS Emissivity Data; Science online, DOI: 10.1126/science.1186785

DLR-Aussendung zum Thema:
Anzeichen für vulkanische Aktivität auf der Venus

"Die erstarrten Lavaflüsse, von denen die Wärmestrahlung an der Oberfläche ausgeht, scheinen kaum verwittert zu sein. Daher gehen wir davon aus, dass sie jünger als 2,5 Millionen Jahre sind - die meisten sehr wahrscheinlich sogar jünger als 250.000 Jahre", sagt Jörn Helbert vom DLR-Institut für Planetenforschung. "Für Geologen bedeutet ein solches Alter fast schon die Gegenwart."

Diese perspektivische Darstellung zeigt einen Blick auf den Vulkan Maat Mons auf der Venus aus etwa 500 Kilometern Entfernung.

NASA/JPL

Vulkan Maat Mons auf der Venus

"Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Venus noch vulkanisch aktiv ist", erklärten Helbert und sein Kollege Nils Müller. Die beiden sind Co-Autoren einer entsprechenden Studie, die soeben auf der Website des Fachjournals "Science" erschienen ist.

"Lernen, was die Erde so besonders macht"

Bestätige sich, dass die Venus der erste terrestrische geologisch aktive Planet neben der Erde sei, ließe das Rückschlüsse auf die Erde zu. Beide Planeten seien in Größe und Aufbau zwar ähnlich, durchliefen aber unterschiedliche Entwicklungen. "Doch wann und warum verlief diese Entwicklung dann unterschiedlich, so dass die Erde Leben ermöglicht, während die 500 Grad Celsius heiße Venus ohne Wasservorkommen nur eine lebensfeindliche Umgebung bietet?", fragen die Forscher in einer Aussendung: "Von der Venus können wir vielleicht lernen, was die Erde so besonders macht", so Helbert.

Die ESA-Sonde "Venus Express" umkreist seit vier Jahren den Planeten, der ständig unter einer dichten Wolkendecke verborgen liegt. Das Infrarot-Messinstrument VIRTIS kann durch sogenannte "atmosphärische Fenster" bis auf die Oberfläche der Venus blicken und deren Wärmestrahlung in verschiedenen Höhen registrieren.

science.ORF.at/apn

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