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Junge Händes halten alte Hand

(A)moralisches Handeln stärkt die Willenskraft

Sowohl "Gutes" als auch "Schlechtes tun" kann laut US-Psychologen die physische Ausdauer verstärken. Eine klare moralische Haltung fördert demnach in jedem Fall unsere Willenskraft.

Psychologie 20.04.2010

Mehr Ausdauer

Die Studie in "Social Psychological and Personality Science": "Moral transformation: Good and evil turn the weak into the mighty" von Kurt Gray et al.

In der ersten Untersuchung der Forscher rund um Kurt Gray von der Harvard University erhielten die Teilnehmer einen Dollar, den sie entweder behalten oder spenden konnten. Dann sollten sie ein 2,5 Kilogramm schweres Gewicht halten, solange sie konnten. Jene, die ihr Geld verschenkt hatten, schafften dies im Durchschnitt um bis zu zehn Sekunden länger.

In der nächsten Runde mussten die Probanden ein Gewicht halten, während sie fiktive Geschichten über sich selbst schrieben. In diesen sollten sie entweder anderen helfen, zu anderen gemein sein oder sich neutral gegenüber anderen verhalten.

Ähnlich wie im ersten Experiment waren jene, die zumindest in der Vorstellung Gutes taten, deutlich stärker als die neutrale Gruppe. Überraschenderweise waren die fiktiven Bösewichte aber noch ausdauernder.

Sich besser und starker fühlen

Laut Kurt Gray handelt es sich bei diesem Effekt um eine Art sich selbsterfüllender Prophezeiung. "Menschen nehmen andere, die Gutes oder Schlechtes tun, als besonders stark, effizient und schmerzunempfindlich wahr. Sehen sie sich nun selbst in dieser Weise, übernehmen sie diese Wahrnehmung und zeigen tatsächlich eine größere physische Ausdauer", so Gray.

Der Forscher nennt den Effekt "moralische Transformation". Es spreche einiges dafür, dass Helden oder Bösewichte nicht schon von vornherein mit einer außergewöhnlichen Festigkeit und Selbstkontrolle ausgestattet sind, sondern diese erst durch ihre Taten erhalten haben.

Auf Basis dieser Erkenntnis könnte man sich laut Gray auch selbst austricksen. Wenn man etwa gefährdet ist, bei einer Diät angesichts von leckeren Versuchungen die Selbstkontrolle zu verlieren, könnte man schnell - gewissermaßen präventiv - jemandem helfen. Ob Bösartigkeit nicht auch hier noch stärkender wäre, dazu äußert sich der Forscher nicht.

science.ORF.at

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