Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der Zwang zum "richtigen" Resultat"

Ein Fächer von Fachjournalen.

Der Zwang zum "richtigen" Resultat

Der Publikationsdruck auf Wissenschaftler wächst stetig. Das könnte sich auf die Qualität der Inhalte auswirken. Eine statistische Auswertung nährt diese Befürchtung: Denn Forscher aus jenen US-Bundesstaaten mit dem höchsten Publikationsoutput pro Forscher liefern generell deutlich mehr "positive" Studienergebnisse.

Publikationen 22.04.2010

Positive Resultate fördern die Karriere

In den meisten Wissenschaften herrscht heute ein ähnlicher Konkurrenzdruck wie in der Wirtschaft. Im Kampf um Fördergelder und akademische Positionen ist die Bewertung der Leistung entscheidend. Gemessen wird diese vor allem an den Publikationen: an ihrer Häufigkeit, am "Impact Factor" der Journals, in denen sie veröffentlicht werden, und daran, wie oft sie von anderen Studien zitiert werden.

Dass sich dieser Druck auf die wissenschaftliche Objektivität auswirken könnte, ist eine mögliche Kehrseite der Medaille, denn der Erfolg eines Papers ist nicht zuletzt von seinen Ergebnissen abhängig. Laut Daniele Fanelli von der britischen University of Edinburgh erhöhen positive Resultate die Chance, von anderen zitiert zu werden. Das heißt für die Forscher ist es karrieretechnisch hilfreich und mehr wert, wenn ihre experimentellen Hypothesen auch bestätigt werden.

Glück durch Bestätigung

Rein wissenschaftlich gesehen ist dies laut Fanelli eigentlich Unsinn, denn alle Ergebnisse sind relevant; Bezeichnungen wie "positiv" oder "negativ" sind irreführend. Wissenschaftler seien allerdings auch nur Menschen: Eine Bestätigung ihrer Hypothese macht sie glücklich, das Gegenteil ist eher enttäuschend. Verstärkt wird diese Vorliebe noch durch das Feedback des Forschungsumfelds und durch die Interessen der Auftraggeber.

Negative Ergebnisse werden aus verschiedenen Gründen oft einfach gar nicht publiziert. Manche versuchen auch durch Tricks die Resultate zu drehen, indem sie entweder die Hypothese umformulieren, die Daten anders selektieren oder im schlimmsten Fall fälschen.

Zwang zum positiven Ergebnis?

In seiner Studie hat Fanelli nun quantitativ erhoben, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Publikationsdruck und der positiven Tendenz bei Studienergebnissen gibt. Zu diesem Zweck hat er nach dem Zufallsprinzip 1.316 in den USA zwischen 2000 und 2007 publizierte Papers aus allen Bereichen - von der Physik bis zur Soziologie - ausgewählt. Dann wurde erhoben, wie viele davon positive Ergebnisse lieferten.

Zusätzlich ermittelte der Forscher anhand von Daten der US-amerikanischen National Science Foundation die akademische Produktivität der verschiedenen Bundesstaaten. Diese zählt die durchschnittliche Anzahl an Veröffentlichungen pro Autor.

Produktive publizieren Positives

Farinelli kann sich über den positiven Ausgang seiner eigenen Studie freuen, denn die statistischen Analysen von Studienergebnissen und Produktivität bestätigen seine Hypothese in quantitativer Hinsicht.

Dass heißt, jene Autoren, die aus produktiveren Staaten kamen, produzierten deutlich öfter positive Resultate, unabhängig von der Disziplin und den verfügbaren Fördergeldern. Auch die Gesamtanzahl an Publikationen, die staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die Menge an Promovierten standen in keinem Zusammenhang damit.

So betrug etwa der Anteil an bestätigten Hypothesen in den Bundesstaaten Nevada, North Dakota und Mississippi weniger als 50 Prozent, in Michigan, Ohio und Nebraska hingegen 95 bis 100 Prozent.

Durch Zwang zum Erfolg?

Das legt laut Farinelli nahe, dass Forscher in einem produktiveren und kompetitiveren Umfeld eher gezwungen sind, dafür zu sorgen, dass ihre Ergebnisse zumindest positiv wirken. Wie sie das machen, müsse man allerdings erst näher untersuchen.

"Natürlich hängen die Ergebnisse einer Studie von vielen Faktoren ab, aber die Produktivität eines Bundesstaates sollte eigentlich nicht dazu gehören", so Farinelli. "Es ist nicht auszuschließen, dass Wissenschaftler in den produktiven Staaten besser ausgestattet oder auch klüger und folglich erfolgreicher sind." Aber dies reiche als Erklärung für die sehr deutliche Tendenz nicht aus.

Eva Obermüller, science.ORF.at

Mehr zum Thema: