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Alice Miller, undatiertes Bild

Kinderpsychologin Alice Miller gestorben

Sie beschrieb "Das Drama des begabten Kindes" und die Folgen, die Gewalt in der Kindheit haben kann. Die bekannte Autorin und Kindheitsforscherin Alice Miller ist tot.

Psychologie 23.04.2010

Die zuletzt in der Provence lebende Schweizerin starb am 14. April im Alter von 87 Jahren, wie der Suhrkamp Verlag in Berlin mitteilte. Ihre 13 Bücher wurden in 30 Sprachen übersetzt. Die Beisetzung fand laut Suhrkamp im engsten Kreis statt.

"In jedem Diktator steckt ein gedemütigtes Kind"

Millers offizielle Website:

In Werken wie "Dein gerettetes Leben" (2008) plädierte Miller für eine liebevolle und gewaltfreie Erziehung. Sie grenzte sich von der Psychoanalyse ab, die aus ihrer Sicht in alter Tradition das Kind beschuldigt und die Eltern schont. Für die Forscherin hatten vernachlässigte Kinder, gewalttätige Jugendliche und Terrorismus die gleiche Ursache. Die Täter wurden gequält, als sie klein waren.

Eine von Millers Thesen lautete: "In jedem noch so schrecklichen Diktator, Massenmörder, Terroristen steckt ausnahmslos ein einst schwer gedemütigtes Kind, das nur dank der absoluten Verleugnung seiner Gefühle der totalen Ohnmacht überlebt hat."

"Sich dem Schmerz stellen"

Was Miller schrieb, klingt wegen der Schlagzeilen um Missbrauch in der Kirche einmal mehr aktuell: Sie appellierte an Erwachsene, sich dem Schmerz zu stellen, den sie als Kind erlitten haben. Depressionen, Krankheit und Drogensucht können Folgen eines "Selbstverrats" sein. Als Beispiele nannte Miller Prominente wie Marilyn Monroe, Virginia Woolf und Elvis Presley.

Miller wurde 1923 im damaligen Polen geboren und studierte in Basel Philosophie, Psychologie und Soziologie. Nach der Promotion war sie 20 Jahre lang Psychoanalytikerin. 1980 gab sie ihre Praxis auf und konzentrierte sich auf das Schreiben. "Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst" von 1979 ist ihr bekanntestes Buch.

science.ORF.at/dpa

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