Standort: science.ORF.at / Meldung: "Forscherstreit um Sauriersterben geht weiter"

Künstlerische Darstellung des Chicxulub-Einschlages im flachen Meerwasse

Forscherstreit um Sauriersterben geht weiter

Der Forscherstreit, ob die Dinosaurier nun durch einen Meteoriteneinschlag oder doch durch starke vulkanische Aktivität auf der Erde ausgestorben sind, geht weiter.

Massensterben 06.05.2010

Während viele Wissenschaftler, darunter auch der Wiener Impact-Forscher und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, Christian Köberl, die Meteoriten-Theorie favorisieren, untermauerte Gerta Keller von der Princeton University (USA) bei der Generalversammlung der "European Geosciences Union" (EGU) im Mai 2010 ihre Vulkan-These.

Massensterben durch vulkanische Tätigkeit

Ein Argument Kellers ist, dass es während der vergangenen 500 Millionen Jahre fünf dokumentierte Massensterben in der Erdgeschichte gab. Alle fünf seien mit verstärkter vulkanischer Tätigkeit zusammengetroffen, ein Meteoriteneinschlag passe aus heutiger Sicht bestenfalls zur letzten Katastrophe an der Grenze vom Erdmittelalter zur Erdneuzeit (KTB) vor rund 65 Millionen Jahren.

Der von anderen Wissenschaftlern als Grund für das Aussterben von rund 60 Prozent aller Arten an der KTB favorisierte Einschlag eines Meteoriten im sogenannten Chicxulub-Krater vor der Küste Mexikos habe sich 160.000 Jahre vor dem Massensterben ereignet, argumentierte Keller. Hingegen passten die drei Wellen gewaltiger vulkanischer Aktivitäten im indischen Deccan-Gebiet exakt zu den Umweltveränderungen während dieser Perioden.

Reichen Vulkanausbrüche aus?

Keller führte dabei etwa mikropaläontologische Untersuchungen an kleinen beschalten Meereslebewesen, sogenannten Foraminiferen, als Beleg an. Anhand des Auftauchens und Verschwindens bestimmter Arten lassen sich dabei die Abkühlungs- und Erwärmungsphasen während der drei Wellen heftiger Vulkanausbrüche zwischen der Zeit von rund 67,5 Millionen und knapp 65 Millionen Jahren ablesen. Die heftigste und für die Tier- und Pflanzenwelt tödlichste war die zweite Welle.

Generell sind die Vulkanausbrüche, die zu den dramatischen Veränderungen in der Atmosphäre führten, mit historisch dokumentierten Ereignissen in Sachen Heftigkeit nicht zu vergleichen. So wurden für den heftigsten Puls der Deccan-Vulkane Lavaströme von bis zu 1.500 Kilometern dokumentiert.

Der Streit um das Dinosauriersterben tobt mittlerweile in den wissenschaftlichen Zeitschriften weiter, wobei sich die Proponenten mit Darstellungen und Gegendarstellungen auszustechen versuchen. Erst im März 2010 hatte Köberl mit internationalen Kollegen die Impact-Theorie in "Science" verteidigt. Im Gegensatz zu Keller bezeichnet die Gruppe die Umweltveränderungen durch die Vulkan-Aktivitäten als zu gering, um die dramatischen Veränderungen hervorzurufen. Der Abfall der Artenfülle habe zudem abrupt stattgefunden.

science.ORF.at /APA

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