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Glücklich und zufrieden ab 50

Eine gute Nachricht für alle, die sich vor dem Älterwerden fürchten: Einer US-Studie zufolge geht es einem ab der Mitte des Lebens immer besser. Das gilt nicht nur für die allgemeine Lebenszufriedenheit, auch negative Gefühle wie Stress, Zorn und Sorgen nehmen spätestens ab 50 ab.

Demographie 18.05.2010

Großes und kleines Glück

Die Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences": "A snapshot of the age distribution of psychological well-being in the United States" (sobald online) von Arthur A. Stone et al.

Aus psychologischer Sicht besteht persönliches Wohlergehen aus zumindest zwei grundlegenden Bausteinen: der allgemeinen Lebenszufriedenheit und dem momentanen emotionalen Zustand. Studien legen nahe, dass ersterer unabhängig von der Kultur und den historischen Bedingungen ab der Mitte des Lebens tendenziell zunimmt - selbst wenn die körperliche Gesundheit abnimmt. Ob sich dies auch im Gefühlsleben widerspiegelt und wie sich dieses mit dem Alter verändert, ist allerdings noch kaum untersucht.

Laut den Forschern rund um Arthur A. Stone von der Stony Brook University wirft diese Seite möglicherweise ein völlig anderes Licht auf das Älterwerden, da der konkrete Gemütszustand im Gegensatz zum allgemeinen weniger konstruiert ist, sich also nicht so leicht schön reden lässt.

Zufrieden in der Lebensmitte

Ziel des Teams war es daher, beide Aspekte des Lebensglücks und ihre Abhängigkeit vom Alter im Rahmen einer einzigen Studie zu untersuchen. Dafür verwendeten die Forscher Telefoninterviews mit insgesamt 355.334 US-amerikanischen Staatsbürgern im Alter von 18 bis 85 Jahren, die von einem großen Meinungsumfrageinstitut im Jahr 2008 geführt worden waren.

Die Befragung umfasste u.a. demographische Angaben, Meinungen zum ökonomischen Klima und zur persönlichen finanziellen Lage. Einige Fragen dienten ausschließlich der Erhebung des Wohlergehens. Die globale Zufriedenheit mussten die Teilnehmer auf einer "Lebensleiter" von eins bis zehn bewerten. Zur Feststellung des emotionalen Zustands wurden zwei positive Gefühle - Freude und Glück - sowie vier negative - Stress, Zorn, Sorge und Trauer - abgefragt. Die Interviewten sollten angeben, welches der Gefühle sie einen Großteil des vorigen Tages empfunden hatten.

Das Auf und Ab der negativen Gefühle

Ähnlich wie in anderen Studien ergab auch diese, dass sich das allgemeine Wohlergehen sowie die positiven Gefühle im Lauf des Lebens in einer U-förmigen Kurve entwickeln: in den 20er, 30er und 40er Jahren fällt beides leicht, aber stetig ab; etwa ab 50 wendet sich das Blatt und es geht nur noch bergauf.

Negative Gefühle zeigen laut den Forschern jedoch einen etwas anderen altersmäßigen Verlauf. Zudem weisen sie im Vergleich zu den positiven Empfindungen größere Schwankungen auf.

Stress und Zorn steigen lediglich im frühen Erwachsenenalter an, nehmen aber bald langsam ab, wobei ersterer nach der Lebensmitte nochmals deutlich weniger wird. Sorgen hingegen legen bis in die mittleren Lebensjahre zu, erst danach - über 50 - gehen sie zurück.

Aus der Reihe fällt lediglich die Traurigkeit: Einmal traurig, immer traurig, so scheint es; zumindest zeigt dieses Gefühl die geringste Schwankung im Lauf des gesamten Lebens.

Geschlecht und Elternschaft spielen keine Rolle

Im Großen und Ganzen konnten die Forscher keine Geschlechtsunterschiede in Bezug auf das Alter ausmachen. Traurigkeit, Stress und Sorgen sind allerdings insgesamt bei Frauen etwas ausgeprägter. Und auch wenn diese beim globalen Wohlergehen bessere Werte als Männer erzielten, waren sie auf der Gefühlsebene nicht glücklicher als diese und empfanden sogar weniger häufig Freude. Für die Forscher ein Zeichen dafür, dass Zufriedenheit und Emotionen zwei unterschiedliche Aspekte des allgemeinen Wohlbefindens darstellen.

Erstaunlicherweise war der Zusammenhang von Alter und Wohlergehen der Studie zufolge auch unabhängig von anderen Einflussfaktoren. So spielte es unter anderem kaum eine Rolle, ob die Teilnehmer noch unmündige Kinder hatten, arbeitslos waren oder keinen Partner hatten.

Aber warum sind ältere Menschen im Durchschnitt glücklicher und weniger gestresst als Junge? Die Forscher haben gleich mehrere Erklärungen: Vermutlich nehme die Weisheit und emotionale Intelligenz mit dem Alter zu. Ältere Menschen hätten außerdem ihre Emotionen besser im Griff und versuchen meist, ihre Lage positiv zu sehen. Sie erinnern sich auch viel seltener an Schlechtes als jüngere.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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