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Mann telefoniert in der Straßenbahn

Wenn es im Kopf klingelt

Hört man den Klingelton seines eigenen Mobiltelefons, reagiert man augenblicklich. Das lässt sich einer Studie zufolge sogar im Gehirn messen. Demnach werden persönlich relevante Geräusche generell bevorzugt behandelt.

Wahrnehmung 01.06.2010

Relevantes wird bevorzugt behandelt

Laut den Forschern rund um Anja Roye von der Universität Leipzig sprechen Beobachtungen und Erfahrungen dafür, dass wir Gehörtes, das uns selbst betrifft, schneller und bevorzugt verarbeiten. Beispiele dafür wären etwa der eigene Name oder der Klingelton des eigenen Mobiltelefons, das auch inmitten vieler Nebengeräusche augenblicklich unsere Aufmerksamkeit erregt. Die neuroanatomischen Grundlagen dieses Phänomens seien aber weitgehend unerforscht.

Zu diesem Zweck führte das Team mehrere Versuchsreihen mit zwölf Freiwilligen durch, die sowohl das passive als auch das aktive Hörverhalten testen sollten. Zuerst zeichneten sie die SMS-Töne aller teilnehmenden Frauen und Männer auf. Danach spielten sie diese in gleichbleibender Lautstärke und zufälliger Anordnung ab, während sie gleichzeitig die Gehirnaktivität mittels Elektroden maßen.

Kognitive Schablone für den Klingelton

Im ersten Durchlauf sahen die Probanden parallel einen ruhigen Film mit Untertiteln; im zweiten gab es keinerlei Ablenkung, die Teilnehmer mussten aber einen Knopf drücken, sobald sie ihren eigenen SMS-Ton hörten. Im letzten Experiment mussten sie den Ton eines anderen aussuchen und darauf reagieren.

Die Messungen zeigten laut den Forschern, dass die Probanden zwischen persönlich bedeutsamen und unwichtigen Klängen unterscheiden. In besonderem Maß reagierten sie allerdings auf den eigenen Klingelton - bereits 40 Millisekunden nach Abspielbeginn waren deutlich mehr Neuronen aktiv als bei den anderen ausgewählten Tönen.

Die breite Aktivierung deute darauf hin, dass beim Menschen Top-Down-Mechanismen an der Verarbeitung von Sinnesreizen beteiligt sind. Laut Roye haben wir unseren eigenen Klingelton gewissermaßen als fertige Schablone gespeichert. Er erweckt daher unsere Aufmerksamkeit augenblicklich und dringt blitzschnell zu uns durch.

science.ORF.at

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