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Kraehe im Gastgarten

Krähen auf der Reservebank

In Gruppen lebende Aaskrähen teilen sich ihre Aufgaben. Sie tolerieren aber auch, wenn einige nicht mitmachen. Forscher haben nun herausgefunden, dass die "faulen" Tiere gewissermaßen die eiserne Reserve sind. Sie springen ein, wenn ein "fleißiger" Vogel ausfällt.

Verhaltensforschung 02.06.2010

Warum diese Nachsicht?

Aaskrähen (Corvus corone) bilden stabile Gruppen, die sich ihre Pflichten bei der Aufzucht des Nachwuchses teilen. Dominante Brüter verlassen sich dabei auf ihre kinderlosen Gehilfen, die sie beim Füttern der Jungen unterstützen. Es gibt aber auch von der Allgemeinheit geduldete Individuen, die sich nicht daran beteiligen.

Ein Grund für diese Nachsicht könnte sein, dass die dominanten Tiere insgesamt von einer größeren Gruppe profitieren. Diese würde sie vor Räubern schützen und selbst zu erfolgreicheren Jägern machen, wie Forscher bisher vermutet haben.

Schmarotzer springen überraschend ein

Die Studie in den "Proceedings oft he Royal Society B": "Lazy group members are substitute helpers in carrion crows" von Vittorio Baglione et al.

Evolutionsbiologen rund um Vittorio Baglione von der spanischen Universität von Valladolid sind im Rahmen ihrer Studie nun auf eine ganz andere Erklärung für die Toleranz der Krähen gestoßen.

Mit einer getarnten Videokamera beobachteten sie, wie häufig 61 wild lebende Aaskrähen aus 17 unterschiedlichen Gruppen in Nordspanien ihre Jungen füttern. Drei Tage zeichneten sie jeweils zwölf Stunden die Aktivitäten der Tiere auf. Dann fingen sie in jeder Gruppe einen brütenden Vogel und befestigten einen Clip an seinem Flügel. Danach wiederholten sie die Aufzeichnung. Durch das Handicap reduzierte sich die Nachwuchspflege der Brutkrähe um etwa 30 Prozent. Gleichzeitig erhöhten die kinderlosen Tiere ihre Fürsorge, besonders die Allerfaulsten in der Gruppe, die sich zuvor gar nicht um das Nest gekümmert hatten.

Die herumlungernden Vögel sind laut den Forschern für die Gruppe offensichtlich eine "eiserne Reserve" für harte Zeiten. Immerhin hätten sie den ausfallenden Pflegeaufwand komplett wettgemacht. Unklar bleibe allerdings, warum die vormaligen Schmarotzer plötzlich helfen: Hören sie das Betteln der Jungen oder werden sie von den dominanten Tieren in irgendeiner Form dazu gezwungen? Die Forscher vermuten, dass in eng verwandten Gruppen die Hilfe freiwillig erfolgt, da letztlich alle vom reproduktiven Erfolg profitieren.

science.ORF.at

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