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Infraschall soll Atomtests verraten

Eine neue Testanlage zur Überwachung und Lokalisierung von Nuklearexplosionen wurde heute von der in Wien ansässigen Organisation zum Atomteststoppvertrag (CTBTO) im Conrad Observatorium der ZAMG eröffnet.

Nuklearexplosionen 02.06.2010

Die neue Station basiert auf Infraschalltechnologie. Dabei werden niederfrequente Schallwellen registriert, die bei Atomtests entstehen und noch in Tausenden Kilometern Entfernung festgestellt werden können.

Geringe Luftdruckänderungen

Niederfrequente Schallwellen können vom menschlichen Ohr nicht wahrgenommen werden. Sie können natürlichen Ursprungs sein, etwa bei Vulkanausbrüchen oder Erdbeben, aber auch bei konventionellen Explosionen oder Nukleartests entstehen. Die Infraschallwellen zeigen sich in geringen Veränderungen des Luftdrucks, die man mit Mikrobarometern messen kann - wobei die Wellen weite Distanzen zurücklegen können, ohne an Intensität zu verlieren.

Infraschalltechnologie wurde nach Angaben der CTBTO bereits in den 1940er Jahren verwendet, um Nuklearexplosionen zu beobachten. Nach dem Verbot von Atomtests in der Atmosphäre, im Weltall und unter Wasser im Jahr 1963 trat diese Technologie in den Hintergrund. Nach Abschluss des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty, CTBT) im Jahr 1996 wurde die Infraschalltechnologie aber wieder als eine der Methoden für die Überwachung der Einhaltung der Vertrags gewählt. Zusammen mit Messungen von seismischen Wellen, Radionukliden und Schallwellen unter Wasser wird diese Technologie im internationalen Beobachtungssystem der CTBTO zur Überwachung von Nuklearexplosionen eingesetzt.

Störungsfreien Lage

Derzeit senden 42 rund um den Globus verteilte Infraschallstationen Daten in das Datenzentrum der CTBTO in Wien. Mit der neuen "IMS Infrasound Test Station" im Conrad Observatorium soll diese Technologie weiter erforscht und deren Funktion verbessert werden. Die Beobachtungstechnik funktioniert am besten an Orten, wo Pflanzen störende Windgeräusche reduzieren. Weil dies nicht überall der Fall ist, sollen mit der neuen Anlage auch Systeme zur Reduzierung von Windgeräuschen getestet werden.

Das 2002 eröffnete Conrad Observatorium der ZAMG am Trafelberg in Muggendorf bei Pernitz (NÖ) ist ein höchstempfindliches Zentrum für Erdbeben- und Gezeitenforschung. Es ist das zentrale Labor und die Referenzanlage des seismischen Stationsnetzes des Österreichischen Erdbebenwarndienstes und beherbergt einen extrem empfindlichen, supraleitenden Gravimeter. Damit können Veränderungen der Erdanziehungskraft (Gravitation) und die Erdgezeiten gemessen werden. Der Standort wurde wegen seiner störungsfreien Lage in einem ausgedehnten Waldgebiet, weit weg von natürlichen und künstlichen Störquellen wie Flüssen, Seen, Verkehrswegen oder Industrieanlagen, gewählt.

Von Beginn an hat die CTBTO mit der ZAMG kooperiert. Die Zusammenarbeit sei Teil der Bemühungen der Organisation für eine engere Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, um die Beobachtungstechniken zu verbessern und damit die Präzision zu steigern, mit der Nukleartests nachgewiesen und bewertet werden. Für die neue Infraschall-Anlage hat die Organisation in den vergangenen Jahren mehr als 400.000 Euro in das Conrad Observatorium investiert. Unabhängig von dieser Kooperation mit der CTBTO haben kürzlich die Bauarbeiten für einen weiteren Ausbau des Conrad Observatoriums begonnen, wie der Leiter der ZAMG-Abteilung für Geophysik, Wolfgang Lenhardt, gegenüber der APA erklärte. Geplant ist ein unterirdisches Labor für Magnetfeldmessungen. Damit sollen in Zukunft u. a. Änderungen des Erdmagnetfelds vor und nach einem Erdbeben überprüft werden.

science.ORF.at/APA

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