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Pyramide von Sakkara

Altes Ägypten ist noch ein bisschen älter

Tausende Jahre bestand das Pharaonenreich der Ägypter in der Antike. Die Chronologie seiner Dynastien und historischen Ereignisse beruhte bisher auf schriftlichen Dokumenten und archäologischen Funden. Mittels Radiokohlenstoffdatierung wurde nun die bisher genaueste Zeitenabfolge aufgestellt.

Geschichte 17.06.2010

Spektakuläre Änderungen des historischen Wissens gab es dabei keine. Speziell das Alte Reich dürfte aber noch ein bisschen älter gewesen sein als bisher gedacht, berichtet ein internationales Forscherteam in einer Studie. Beteiligt war auch Eva Maria Wild von der Universität Wien.

Die Studie:

"Radiocarbon Based Chronology for Dynastic Egypt " von Christopher Bronk Ramsey et al. in "Science" (Bd. 328, S. 1554).

Unabhängige Chronologie

Die Chronologie der dynastischen Zeitperiode Ägyptens beruht auf der Dauer der Regierungszeiten der einzelnen Könige und Königinnen, die aus schriftlichen Überlieferungen und aus archäologischen Informationen abgeleitet wurde.

Sie ist relativ und wird deshalb zeitlich durch einige astronomische Beobachtungen, die ebenfalls in den schriftlichen Aufzeichnungen dieser Zeit beschrieben wurden, absolut zugeordnet.

Da es bei der Auslegung der überlieferten Himmelserscheinungen aber oft Unsicherheiten gibt, schien es den Forschern wünschenswert, eine davon unabhängige Chronologie zu erstellen.

Altägyptische Papyrusfragmente, die ca. aus dem 18. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Ezra Marcus

Altägyptische Papyrusfunde, die ca. aus dem 18. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Pflanzenreste aus Gräbern untersucht

Genau das hat die Gruppe um Christopher Bronk Ramsey von der Radiocarbon Accelerator Unit der Universität Oxford nun getan. Sie datierten 211 verschiedene Pflanzenproben, die sie zuvor aus verschiedenen europäischen und nordamerikanischen Museen entnommen hatten, mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode.

Die Pflanzenreste waren teils Früchte, Samen oder Stängel, aber auch kleine Stücke von Textilien oder Körben, und stammten aus Grabbeigaben, die eindeutig historisch zuordenbar sind. Nicht alle von ihnen erwiesen sich als brauchbare Quellen, letztlich flossen 188 von ihnen in die Neudatierung ein.

Altes Reich ein bisschen älter

Ein Teil der Probenanalysen wurde am Vienna Environmental Research Accelerator-Labor (VERA) in Wien durchgeführt. Laut Eva Maria Wild, der Leiterin des C14-Programms des VERA-Labors, haben die Messungen die historische ägyptische Chronologie im Wesentlichen bestätigt, das Alte Reich dürfte aber noch ein bisschen älter sein als von einigen Ägyptologen bisher angenommen.

C14-Datierung

Bei der Radiokarbonmethode werden verschiedene Kohlenstoffisotope einer Probe analysiert. So lange eine Pflanze lebt, baut sie Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid aus der Atmosphäre in ihre Gewebe ein. Nach dem Tod zerfallen die Isotope verschieden rasch, so lässt sich durch die Analyse auf das Alter einer Probe schließen. Entscheidend ist das Isotop C14, von dem durch Zerfall nach 5.730 Jahren nur noch die Hälfte vorhanden ist.

Ein Papyrus des Metropolitan Museum of Art wird im VERA-Labor analysiert.

Universität Wien

Ein Papyrus des Metropolitan Museum of Art wird im VERA-Labor analysiert.

"Zum Beispiel wird der Beginn der Regierungszeit von Djoser der 3. Dynastie in die Zeitspanne von 2691 bis 2625 v. Chr. datiert", so Wild. Das Neue Reich startete laut der Untersuchung zwischen 1570 und 1544 vor Christus.

Das sei in beiden Fällen früher, als Ägyptologen früher angenommen haben, wie z.B. Erik Hornung in seinem Buch "Ancient Egyptian Chronology ".

Bestätigung für Ägyptologie

Für das Neue Reich konnte letztendlich eine Chronologie erstellt werden, die auf etwa 24 Jahre genau ist. Für die älteren Dynastien konnte diese Genauigkeit aufgrund der spärlicheren Proben noch nicht erreicht werden, aber auch hier gab es Präzisierungen.

"Die Radiokarbonmethode ist zum ersten Mal genau genug, um die Geschichte des Alten Ägypten auf sehr enge Zeiträume einzugrenzen", sagte Untersuchungsleiter Bronk Ramsey. "Ich glaube, dass andere Wissenschaftler froh sein werden zu hören, dass unser kleines Forscherteam in nur drei Jahren ein ganzes Jahrhundert an ägyptologischer Forschung bestätigt hat."

Die neuen Zeitskalen sollen in Zukunft auch für Vergleiche mit Daten aus anderen Regionen wertvoll sein, etwa aus Libyen oder dem Sudan.

science.ORF.at

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