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Grüner Gasnebel namens "Hanny's Voorwerp"

Das grüne Ding im Sternbild Kleiner Löwe

Seit Jahren rätseln Forscher über das grüne Leuchten eines Gasnebels namens "Hannys Objekt". Astronomen dürften nun den Grund für dessen seltsame Gestalt gefunden haben. Schuld ist offenbar ein Schwarzes Loch.

Astronomie 30.06.2010

"Was ist das?"

Als die niederländische Volksschullehrerin Hanny van Arkel vor drei Jahren eine astronomische Grafik begutachtete und ihr darauf ein ungewöhnlicher Fleck auffiel, ahnte sie noch nicht, dass daraus eine wissenschaftliche Sensation werden würde. Im Juni 2008 ging die NASA mit diesem Bild an die Öffentlichkeit und begleitete es mit der dringlichen Frage: What is Hanny's Voorwerp?

"Voorwerp" bedeutet auf niederländisch "Objekt", van Arkel hatte das mysteriöse, grün leuchtende Ding im Rahmen des Projekts "Galaxy Zoo" gefunden, das interessierte Laien zur Auswertung astronomischer Bilder rekrutiert. Erste Analysen zeigten, dass Hannys Objekt zwar so groß ist wie eine Galaxie, jedoch keine Sterne enthält. Es handelt sich vielmehr um einen Gasnebel mit einem 16.000 Lichtjahre großen Loch in der Mitte.

Einigen Spaßvögeln fiel auf, dass Hanny's Voorwerp gewisse Ähnlichkeiten mit dem Monster "Slimer" aus dem Film "Ghostbusters" besitzt. Was nicht ganz von der Hand zu weisen ist, aber natürlich keine Antwort auf die Frage gibt: Wer oder was bringt diesen gigantischen Gasnebel zum Leuchten - noch dazu in ungewöhnlichem Grün?

Gasnebel "Hanny's Voorwerp" aka "Hannys Objekt"

Galaxy Zoo Project, ING

Hannys Objekt aka "Cosmic Ghost"

Jet lässt Gasnebel leuchten

Die Studie "Hanny's Voorwerp: Evidence of AGN activity and a nuclear starburst in the central regions of IC 2497" erscheint im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics".

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Forscher aus den Niederlanden wollen den Spekulationen um den grünen Klecks im Sternbild Kleiner Löwe ein Ende setzen. Wie Hayden Rampadarath vom Joint Institute in Dwingeloo mit einigen Kollegen schreibt, dürfte ein Aktiver Galaktischer Nukleus für die Leuchterscheinung verantwortlich sein.

Im Zentrum eines 15 Kiloparsec entfernten Nachbarn, der Spiralgalaxie "IC 2497", liegt nämlich aller Wahrscheinlichkeit nach ein Schwarzes Loch. Übersehen wurde es bislang nur, weil zwischen der Galaxie und der Erde eine Gas- und Staubwolke liegt, welche die freie Sicht verstellt.

Messungen mit einem Interferometer offenbaren nun die Position des Schwarzen Loches, und sie legen auch einen Mechanismus für die Leuchterscheinung auf dem Nordhimmel nahe: Das Schwarze Loch dürfte, während es kosmische Materie beschleunigt und in sein Inneres befördert, Strahlung an seine Umgebung abgeben - und zwar in Form eines relativ schmalen Jets. Dieser Strahlungskegel trifft offenbar Hannys Objekt, ionisiert die Gaswolke und regt sie ihrerseits zur Abgabe elektromagnetischer Strahlung im Grünbereich an.

Oder ein Lichtecho?

Die Studie "Galaxy Zoo: 'Hanny's Voorwerp', a quasar light echo?" erscheint in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".

Zum Preprint der Studie

Diese Erklärung klingt plausibler als eine Hypothese, die Astronomen letztes Jahr vorgeschlagen haben. Demnach könnte es sich bei der grünen Strahlung auch um ein sogenanntes Lichtecho handeln - um die Reflexion eines Quasar-artigen Strahlenausbruchs, der sich demzufolge vor 10.000 Jahren in IC 2497 ereignet hat.

Das wäre zwar möglich, doch da die Galaxie heute relativ ruhig ist, verschöbe sich nur die Beweislast um einen Schritt: Was IC 2497 zu einem so kurzen wie abrupten Aufleuchten veranlasst haben könnte, ist an den bisherigen Daten nicht abzulesen.

Robert Czepel, science.ORF.at

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