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Der Asteroid Lutetia

"Rosetta" traf Lutetia

Die europäische Raumsonde "Rosetta" ist am Wochenende wie geplant knapp am Asteroiden Lutetia vorbeigerast. Rund 450 Millionen Kilometer von der Erde entfernt passierte sie den kosmischen Felsbrocken in 3.162 Kilometer Abstand.

Raumfahrt 12.07.2010

Das Raumflugkontrollzentrum ESOC der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) veröffentlichte spektakuläre Bilder des Asteroiden.

126 Kilometer groß

Die Aufnahmen zeigen Lutetia als kraterübersäten Fels, auf dem sich einzelne Gesteinsbrocken erkennen lassen. Offensichtlich sei der nur 126 Kilometer kleine Asteroid im Laufe seiner Existenz von zahlreichen Einschlägen getroffen worden. "Ich glaube, dies ist ein sehr altes Objekt", berichtete Holger Sierks vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. "Heute Nacht haben wir ein Überbleibsel aus der Entstehung des Sonnensystems gesehen." Die Forscher schätzen Lutetias Alter auf 4,5 Milliarden Jahre.

"Alles hat perfekt geklappt, besser konnte es nicht laufen", freute sich Paolo Ferri, Leiter für planetare Missionen im ESOC. Die drei Tonnen schwere "Rosetta" war mit einer Geschwindigkeit von 54.000 Kilometern pro Stunde an Lutetia vorbeigerast und hatte nur etwa eine Minute Zeit für die Nahaufnahmen von den Asteroiden. Dennoch lieferte die Raumsonde mehr als 400 Fotos.

Noch vier Jahre bis zum Ziel

Detailaufnahmen im Zoom des Asteroiden Lutetia

ESA 2010 MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA

Detailaufnahmen von Lutetia

"Die Bildern liefern uns so etwas wie einen Fingerabdruck von Lutetia - das kann uns Auskunft geben wie das Sonnensystem entstanden ist", erklärte ESA-Projektleiter Gerhard Schwehm am Sonntag. "Wir haben gejubelt, alles hat sehr gut geklappt."

Vor knapp zwei Jahren war "Rosetta" bereits am Asteroiden Steins vorbeigeflogen. Das nächste und endgültige Ziel der Sonde ist der Komet Tschurjumow-Gerasimenko, den sie nach Plan am 10. November 2014 erreichen soll. "Jetzt beginnt die Reise nach draußen, jetzt geht es weg von Erde und Sonne", sagte Schwehm.

Reise von 7,1 Milliarden Kilometern

Nach einer geplanten Kurs- und Geschwindigkeitskorrektur Anfang 2011 soll die Sonde später für zweieinhalb Jahre komplett abgeschaltet werden, um Strom zu sparen. "Ende 2013, Anfang 2014 wecken wir sie Stück für Stück wieder auf und bereiten sie für die Ankunft am Kometen vor", erläuterte Ferri. Nach ihrer 7,1 Milliarden Kilometer langen Reise soll "Rosetta" auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko in einer spektakulären Mission ein Landemodul absetzen.

750 Millionen Euro nimmt die ESA nach Schwehms Angaben für die "Rosetta"-Mission in die Hand, die 2004 begann. Dazu kommen 300 Millionen Euro für die Instrumente.

science.ORF.at/APA/dpa

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