Standort: science.ORF.at / Meldung: "Geburt einer Riesensonne"

Stern mit Staubscheibe und Materiestrahl

Geburt einer Riesensonne

Astronomen an der europäischen Südsternwarte haben eine junge Riesensonne beobachtet, die sich gerade aus ihrem Staubkokon schält. Sie schließen daraus, dass große Sterne auf dieselbe Weise entstehen wie unsere eigene, vergleichsweise massearme Sonne.

Kosmos 14.07.2010

Stabile Staubscheibe

"Unsere Beobachtungen zeigen eine Scheibe um einen jungen, massereichen und nun voll ausgebildeten Sternenembryo", erläuterte Teamleiter Stefan Kraus von der Universität von Michigan. "Man könnte sagen, dass die Geburt nun unmittelbar bevorsteht." Die junge Sonne leuchtet 10.000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Zentaur. Sie besitzt etwa 20 Mal so viel Masse wie unsere Sonne und ist rund 100 Mal so groß.

Die entsprechende Studie, "A hot compact dust disk around a massive young stellar object", ist im Fachblatt "Nature" (Bd. 466, S. 339) erschienen.

Astronomen haben bereits zahlreiche Sternenembryonen im Infrarotlicht beobachtet, das Staub leichter durchdringen kann. Dabei hat sich gezeigt, dass massearme Sterne wie unsere Sonne bei ihrer Entstehung regelmäßig Staubscheiben bilden, aus denen Material auf sie herabregnet. Unklar war bisher jedoch, ob sich diese Scheiben auch um werdende Riesensonnen halten können, oder ob sie von der starken Strahlung förmlich weggeblasen werden.

Gigantischer Materiestrahl

Künstlerische Darstellung eines Jungsterns mit Jet und Staubscheibe.

ESO/L. Calçada

Künstlerische Darstellung eines Jungsterns mit Jet und Staubscheibe.

Die Astronomen erspähten bei der jungen Sonne im Sternbild Zentaur einen sogenannten Jet, einen Materiestrahl, der senkrecht oben und unten aus dem Stern hinauszuschießen scheint. "Solche Jets werden häufig bei jungen, massearmen Sternen beobachtet und verraten üblicherweise die Existenz einer den Stern umgebenden Scheibe", erläuterte Kraus. Die Beobachtung belege, dass auch um junge Riesensonnen Scheiben entstehen.

Das Alter des Riesensterns schätzen die Forscher auf - für kosmische Verhältnisse - junge 60.000 Jahre. Die junge Sonne hat bereits mit der Kernfusion begonnen und strahlt inzwischen 30.000 Mal so hell wie unsere Sonne. Durch die intensive Strahlung wird die Scheibe, die nochmals so viel Masse enthält wie der Stern selbst, bald anfangen zu verdampfen und schließlich die neugeborene Sonne freigeben.

science.ORF.at/dpa

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