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Die Rachmaninoff-Senke auf dem Merkur

Junger Vulkanismus auf dem Merkur

Auf dem Merkur haben vulkanische Aktivitäten wesentlich länger angedauert als bisher bekannt. Wie jüngste Aufnahmen der Raumsonde Messenger zeigen, wurde der sonnennächste Planet möglicherweise noch vor einer Milliarde Jahren von gewaltigen Eruptionen heimgesucht.

Astronomie 16.07.2010

Dies berichten US-Wissenschaftler im Magazin "Science". Bisher war man davon ausgegangen, dass die vulkanische Phase des Planeten vor spätestens 3,5 Milliarden Jahren endete.

Die Studie:

"Evidence for Young Volcanism on Mercury from the Third MESSENGER Flyby" von Louise M. Prockter et al. in "Science".

Beweise in Rachmaninoff-Senke

Die Sonde der US-Weltraumbehörde NASA Messenger war im Jahr 2004 gestartet. Im vorigen September passierte sie den Planeten zum dritten und letzten Mal. Auf den dabei gemachten Aufnahmen entdeckten Forscher ein ringförmiges Becken von 290 Kilometern Durchmesser.

In dieser Rachmaninoff getauften Senke erstrecken sich auffällig glatte Ebenen in verschiedenen Farbtönen. Deren Oberfläche entstand vermutlich durch Material vulkanischen Ursprungs, das einst durch die Senke floss.

"Wir interpretieren diese Ebenen als die jüngsten vulkanischen Ablagerungen, die bisher auf dem Merkur gefunden wurden", sagt Studienleiterin Louise Prockter von der Johns Hopkins Universität in Baltimore.

Merkur, ein seltenes Sondenziel

Die im März 2010 Rachmaninoff getaufte Senke auf dem Merkur

NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

Die im März 2010 Rachmaninoff getaufte Senke auf dem Merkur

Auch den Ursprung der Lavaströme glauben die Forscher ausgemacht zu haben. Nordöstlich des Beckens entdeckten sie eine unregelmäßig geformte, 30 Kilometer lange Senke, die von hellem Material umgeben ist. Dies ist vermutlich der Überrest des größten vulkanischen Schlotes, der bisher auf dem Planeten gefunden wurde.

Als einziges Flugobjekt vor Messenger hatte die US-Raumsonde Mariner 10 den Merkur in den Jahren 1974 und 1975 passiert. Messenger ist nun der erste Flugkörper, der in die Umlaufbahn einschwenken und den Himmelskörper ein Jahr lang umkreisen soll.

"Bei jedem Treffen mit Merkur entdecken wir neue Phänomene", sagt Sean Solomon von der Carnegie Institution. "Während seiner ganzen Geschichte ist er ein äußerst dynamischer Planet gewesen. Wenn sich Messenger kommenden März in die Umlaufbahn begibt, steht uns ein grandioses Schauspiel bevor."

science.ORF.at/APA/apn

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