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Ziele für neue Anti-HIV-Strategien

Das Aids-Virus ist ganz am Beginn einer Infektion extrem verwundbar. Gerade zu diesem Zeitpunkt könnten zukünftige Strategien ansetzen.

AIDS 2010 20.07.2010

Eine Behandlung wäre ebenfalls möglichst früh zu starten, um das stille "Reservoir" an Viren, das derzeit von keiner Aids-Therapie beseitigt werden kann, möglichst klein zu halten.

Die Konferenz im Internet

Die internationale Aids-Konferenz AIDS 2010 wird zum Teil live im Internet übertragen und in science.ORF.at mit einem Themenschwerpunkt begleitet.

Dies erklärte Dienstagvormittag US-Spitzenforscher Anthony Fauci in einem Plenarvortrag bei Internationalen Aids Konferenz (AIDS 2010) in Wien.

Sexuell gar nicht so leicht übertragbar

Fauci, seit 1984 Chef des nationalen US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten: "HIV ist extrem ineffizient bei der Infektion von Menschen über sexuelle Kontakte. Das wissen wir aus Studien in Uganda. Dort beträgt die Infektionsrate von einem HIV-positiven Partner auf dessen Frau bei einer Ansteckung pro 1.000 bis 2.000 Mal Geschlechtsverkehr."

Die Gründe: Das Virus muss an die Schleimhaut andocken und diese Barriere überwinden. Fauci: "Allerdings, Verletzungen der Schleimhaut, zum Beispiel Geschwüre erleichtern das."

Doch selbst dann ist das eingedrungene Virus noch kaum überlebensfähig. Der "US-Aids-Papst": "HIV muss von dendritischen Zellen (Immunzellen der Haut, Anm.) zu den CD4-positiven Helferzellen des Immunsystems gebracht werden. Diese wiederum müssen aktiviert sein. Findet das Virus keine aktivierten CD4-Zellen, tritt keine Infektion ein."

Programmhinweise

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema in "oe1.ORF.at":

Weitere Sendungen zum Thema in den Ö1-Dimensionen, jeweils um 19.06 Uhr:

Montag, 26. Juli: Armenkrankheit Aids. Die Welt-Aids-Konferenz in Wien (18. -23. Juli 2010). Gestaltung: Franz Zeller

Dienstag, 27. Juli: HIV-Politik. Wie Politik den Umgang mit der Pandemie beeinflusst. Gestaltung: Birgit Dalheimer

Virus entwickelt sich im Körper weiter

Ob eine HIV-Infektion dann wirklich stattfindet, hängt auch noch von anderen Faktoren ab. Fauci: "Wir gehen davon aus, dass jede Ansteckung mit dem Aids-Virus auf der Infektion durch ein bestimmtes Virus erfolgt. Das ist das 'Gründer'-Virus einer Infektion. Dieser Mechanismus ist ein genetischer Flaschenhals. Dann entwickelt sich das Virus im Körper genetisch weiter."

Das Faszinierende daran, so der Experte: Das "Gründer"-Virus einer HIV-Infektion besitzt an seiner Oberfläche Eigenschaften, welche es vergleichsweise leicht durch die Schleimhaut eindringen lässt. Diese Eigenschaft geht den HI-Viren im Verlaufe der chronischen Infektion zunehmend verloren.

Den US-Wissenschaftlern gelang es sogar vergleichsweise weniger infektiöse Aids-Erreger durch Beseitigung der hinderlichen Merkmale an ihrer Oberfläche wieder zu ansteckenderen zu machen. Fauci: "Das könnte auch die Basis für wirksame Impfstoffe in der Zukunft sein."

Mehrere Schutzansätze

Eine weitere Erkenntnis der neuesten Forschungen, so der US-Experte: "Reservoirs an HI-Viren entstehen im Rahmen einer Infektion schon sehr früh. Wir sollten also danach trachten, möglichst früh zu behandeln, weil wir damit diese Virus-Reservoirs möglichst klein halten können."

Die Konsequenzen: Alle Möglichkeiten sollten genutzt werden, das HI-Virus am Eindringen in den Körper zu hindern und eine chronische Infektion zu blockieren. Das könnten Mikrobiozide (Vaginal-Gels) sein, eine Behandlung von sexuell übertragbaren Erkrankungen (Ulcera), prophylaktische Behandlung nach Risikokontakten, Impfungen etc.

Fauci: "Wir haben ein 'Fenster' an Verletzbarkeit des Virus, das wir für Interventionen nützen können."

science.ORF.at/APA

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